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Seemannsmission Bremerhaven: Ein sicherer Hafen für die Männer und Frauen der Meere

Monate auf See, lediglich unterbrochen von kurzen Aufenthalte in den Häfen der Welt, Tausende Kilometer entfernt von den Liebsten daheim. Die heutige Seefahrt hat wenig mit der vielbeschworenen Seefahrerromantik gemein, die einst junge Männer auf See trieb. Heute treibt der globale Wettbewerb, der aus wirtschaftlicher Sicht eine schnelle Abwicklung in den Häfen braucht, die Seeleute vor sich her. Zeit zum Denken an Bord bleibt viel, zum Herzausschütten aber nur wenig Raum – wenn nicht gerade Seemannspastor Werner Gerke die Gangway erklimmt.

Besonnene Art

Flachsblonde Haare, ein freundliches Lächeln und eine besonnene Art zu sprechen: Seemannspastor Werner Gerke strahlt Vertrauenswürdigkeit aus. Wer mit ihm spricht, merkt, dass der 55-Jährige diese Fähigkeit nicht nur ausstrahlt, sondern sie lebt. Seine mit Bedacht gesprochenen Worte erzählen von seinen nunmehr elf Jahren als Seemannspastor, schützen aber sogleich die Menschen, die sich ihm anvertrauen.

„Sich selbst ertragen können“

Die Menschen, das sind die Seeleute, die in der Seemannsmission in der Schifferstraße Station machen oder im Seemannsclub Welcome an der Nordschleuse zu Gast sind – oder eben jene, auf die Gerke bei Bordbesuchen stößt. „An Bord muss man sich selbst ertragen können, man ist auf einander angewiesen“, sagt der Seemannspastor. Die Seeleute überlegten gut, ob sie ihre Kollegen mit den eigenen Problemen belasteten.

400 000 Philippinos auf den Weltmeeren

Während nur noch unter 10.000 Deutsche beruflich auf See seien, beführen rund 400.000 Philippinos die Weltmeere. Letztere täten es weniger aus der Liebe zur See, sondern schlicht aus finanziellen Gründen, um die Familie versorgt zu wissen. „Sie sagen, „that’s my sacrifice‘, ,das ist mein Opfer‘“, sagt Gerke, der auch mit der Hilflosigkeit und Verzweiflung konfrontiert wird, die sich einstellt, wenn eine dramatische Nachricht die Seeleute erreicht, sie aber nicht in der Heimat vor Ort sein können, um die Familie zu unterstützen. Situationen, in denen sein Beistand gefordert ist.

Liebe für dicke Pötte

Gerke stammt aus Wunstorf, absolvierte sein Theologie-Studium in Göttingen, sein Vikariat absolvierte er in Lüneburg und Celle, bevor er für zehn Jahre in Dörverden als Pastor tätig war. Zwischendurch hatte er „weltlich“ gearbeitet, eine Phase des Leerlaufs nach dem Studium bei der Post überbrückt, Züge beladen. Seit 1999 in Bremerhaven, war er bis 2005 Pastor in der Paulusgemeinde. Schon in seinem ersten Jahr in der Seestadt wurde er für seine Liebe für dicke Pötte geneckt.

Zahlreiche Veränderungen

Die über ein Jahrzehnt währende Arbeit hat Veränderungen mit sich gebracht. „Es ist ruhiger geworden“, sagt er über die Räumlichkeiten der Seemannsmission. Das läge nicht am Mangel an Nutzern, vielmehr am Internet und den damit verbundenen Möglichkeiten. „Wir sind mehr ein Internetcafé“, berichtet er. Für die Seeleute sei Skype eine tolle Sache für den Kontakt in die Heimat. „Aber es nimmt kaum noch jemand ein Instrument in die Hand, um gemeinsam zu singen“, bedauert Gerke.

Viele ehrenamtliche Helfer

Außer ihm arbeiten noch 13 Menschen in der Mission, einige davon als Diakone. Sechs junge Menschen im freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) sind ebenfalls aktiv. „Wir haben inzwischen viele ehrenamtliche Helfer“, sagt Gerke. Rund 20 Menschen kümmerten sich so um die Belange der Seeleute. Auf dem Gelände des Seemannsclubs gibt es einen Außensportplatz, aber auch Poolbillard und Tischtennis, einen Minikiosk, Getränke und Telefonzellen für den Anruf daheim.

„Wollen Seeleute aber nicht fromm machen“

Zudem gibt es Hilfe, wenn die Seeleute Probleme mit ausstehender Heuer haben. Außerdem findet sich eine Kapelle. „Wir wollen die Seeleute aber nicht fromm machen“, nennt Gerke den Grundgedanken der Seemannsmissionen, der sich darauf ausrichtet, Seeleuten ganz praktisch zu helfen, ein Bett, ein Dach und eine seriöse Stelle, wo Geld hinterlassen werden kann, zu bieten.