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Warum Lehe der ärmste Stadtteil Deutschlands ist

Wenn es um das Thema Armut geht, ist der Bremerhavener Stadtteil Lehe regelmäßig ganz oben in den Statistiken. Nirgendwo sonst sind so viele Menschen verschuldet wie hier. Doch die Zahlen allein zeichnen nur ein unvollständiges Bild von Lehe.

Über 37 Prozent der Einwohner sind überschuldet

In Lehe sind über 37 Prozent der Einwohner überschuldet. Das trägt maßgeblich mit dazu beiträgt, dass Bremerhaven insgesamt mit nunmehr 20,81 Prozent die Liste der zehn Städte mit der höchsten Schuldnerquote anführt. Und das schon im siebten Jahr hintereinander. Auf den Plätzen dahinter folgen mit relativ deutlichem Abstand Pirmasens (18,43 Prozent), Offenbach am Main (18,01) und Wuppertal (17,97).

Die Zahl der Privatansolvenzen geht in die Statistik mit ein

Erhoben hat diese Daten die Wirtschaftsauskunft Creditreform. Für die Statistik der Creditreform sind allein „Negativmerkmale“ relevant. Dazu zählen zum Beispiel Privatinsolvenzen, Inkassofälle oder eidesstattliche Versicherungen. „Positive Daten“ wie Bankkredite für Eigentumswohnungen werden nicht erfasst.

Nationale Medien interessieren sich für Lehe

Dennoch – die Statistik setzt an alle Städte dieselben Maßstäbe an. Und hier sieht der nationale Vergleich für Lehe schlecht aus. Kein Wunder, dass auch nationale Medien den Bremerhavener Stadtteil immer wieder als Gegenstand ihrer Berichterstattung heranziehen. „Wer hier landet, ist ganz unten. Leben in Bremerhaven-Lehe ist sozialer Abstieg“, heißt es zum Beispiel in einem Beitrag von Sat.1. Doch es gibt auch andere Blickwinkel, wie der Dokumentar-Film „Das Leben, you know“, ein Filmprojekt an der Hochschule Bremerhaven, zeigt.

Lehe ist mehr als seine Problemgebiete

Lehe ist größer als die beiden Problemgebiete Goethestraße und Klushof. So gehört auch der Ortsteil Speckenbüttel zu Lehe – und hier haben die wenigsten Einwohner ein Schuldenproblem. Daher werden wir in den kommenden Wochen unter der Überschrift „Thesen zu Lehe“ beleuchten, dass Lehe mehr ist, als die Schuldenstatistik vermuten lässt. Thesen und Themenvorschläge könnt ihr uns übrigens auch per Mail zuschicken.

Marcel Ruge

Marcel Ruge

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Marcel Ruge, Jahrgang 1986, ist in Bremen geboren und hat Politikwissenschaften in Hamburg und Växjö (Schweden) sowie Journalistik in Leipzig studiert. Er hat bei der Nordsee-Zeitung volontiert. Derzeit arbeitet er in der Online-Redaktion an neuen digitalen Konzepten für die Nordsee-Zeitung und Nord24. Seine journalistischen Schwerpunkte sind Netzthemen, die Flüchtlings- sowie Arbeitsmarktpolitik.