Anzeige

Experten beim Windgipfel: Offshore wird wieder erstarken

Auch in zehn Jahren, also im Jahr 2026, wird es in der Seestadt noch eine starke Industrie im Bereich Offshore geben. Darin waren sich die Redner des Windgipfels einig. Zu der Veranstaltung hatte der Presseklub Bremerhaven-Unterweser eingeladen. „Allerdings wird es bis dahin in der Struktur einige Veränderungen gegeben haben“, betonte Norbert Giese vom Windkraftanlagen-Hersteller Senvion mit Blick auf die aktuellen Probleme der Branche.

Insbesondere der Beschluss der Bundesregierung, den Neubau von Windparks auf See zu drosseln, dürfte sich auswirken – auch wenn die Auftragsbücher jetzt noch gefüllt sind. „Anfang der 2020er wird es eine gewisse Verlangsamung des Geschäfts geben“, schätzt Giese. Doch danach werde es wieder aufwärts gehen.

Das sieht auch Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB, so: „Bremerhaven wird im Bereich Offshore eine gute Rolle spielen.“ Allerdings rechne er damit, dass die Region zusammenwachsen werde, vor allem Bremerhaven und Cuxhaven. Denn auch Siemens werde seiner Einschätzung nach die Forschungsmöglichkeiten in der Seestadt nutzen. Wellbrock fasst die Region aber noch weiter – nämlich von der Elbe bis zur Ems. „Hier spielen Ländergrenzen keine Rolle, die Region steht im Fokus. Und diese wird weltweit den Ton angeben“, meint er.

Beckmeyer: Bremerhaven ist gut aufgestellt

Auch Uwe Beckmeyer (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, sieht Bremerhaven in zehn Jahren gut aufgestellt: „Durch die Fraunhofer Institute kann der Standort Offshore und Onshore abdecken. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Wirtschaft, Forschung und Hochschule.“ Beckmeyer ist der Überzeugung, dass die Unternehmen am Standort eine große Zukunft haben.

Um diese Zukunft abzusichern, werde aber Infrastruktur benötigt, betonte der Politiker mit Blick auf den geplanten Offshore Terminal. „Dieser ist wichtig für die weitere Entwicklung am Standort“, betont er. Das zeige gerade ein Blick nach Cuxhaven. Die Stadt habe davon profitiert, dass sie zur richtigen Zeit eine Industriebrache und ein nicht genutztes Terminal für den Umschlag von Windanlagen besessen habe. Deshalb habe sich Siemens dort angesiedelt. „Das zeigt: Erst muss die Infrastruktur vorhanden sein, dann kommen auch die Ansiedlungen.“

Acht-Megawatt-Anlage als Garant für die Zukunft

Als Garant für die Zukunft sieht Beckmeyer auch die Acht-Megawatt-Anlage der Firma Adwen. „Deswegen bin ich auch überzeugt davon, dass das Adwen-Werk in der Seestadt eine Zukunft haben wird“, meint er mit Blick auf die Befürchtungen, dass das Werk aufgrund der indirekten Übernahme durch den Siemens-Konzern geschlossen werden könnte. „Denn niemand wird Geld verbrennen, auch Siemens nicht. Adwen hat eine Zukunft – entweder im Siemens-Konzern oder außerhalb“, sagt Beckmeyer.

Hintergrund ist, dass der französische Areva-Konzern seine Adwen-Anteile an die spanische Firma Gamesa verkaufen will. Gamesa wiederum soll vom Siemens-Konzern übernommen werden. Da Siemens aber in Cuxhaven ein eigenes Werk für Windkraftanlagen baut, wird befürchtet, dass das in Bremerhaven geschlossen werden könnte. Das scheint aber auch Adwen-Geschäftsführer Luis Álvarez nicht zu glauben. „Als erstes muss das Bundeskartellamt der Übernahme der Anteile durch Gamesa zustimmen. Erst dann kommt Siemens ins Spiel“, sagt er. Und auch hier müsse erst auf europäischer Ebene die Entscheidung fallen, ob der Konzern Gamesa übernehmen könne. „Bis dahin bleiben Siemens und Gamesa Wettbewerber“, betont Álvarez.

Adwen: Nächstes Ziel sind neun Megawatt

Auch der Adwen-Geschäftsführer hebt den Marktwert der Acht-Megawatt-Anlage hervor. Die Anlage, an dessen Entwicklung mehr als 200 Ingenieure drei Jahre lang gearbeitet haben, wird im Fraunhofer Institut getestet. Im Februar oder März 2017 soll ein Prototyp auf dem ehemaligen Flughafen Luneort aufgebaut werden. Ab Mai 2018 soll die Acht-Megawatt-Anlage in Bremerhaven produziert werden. Allerdings sind die acht Megawatt noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Die Anlage wird Schritt für Schritt weiterentwickelt. Nächstes Ziel sind neun Megawatt“, sagt Álvarez.

Größere Anlagen hat der zweite große Windkraftanlagen-Hersteller in Bremerhaven, die Firma Senvion, noch nicht im Sinn. „Wir sind weltweit die Nummer drei im Segment der Anlagen von fünf bis sechs Megawatt“, sagt Norbert Giese, Verantwortlicher für Verbandsarbeit und politische Kontakte bei Senvion. 161 Anlagen dieses Typs habe man bereits am Netz, weitere folgten. Zudem habe Senvion einen weiteren Vorteil: „Wir sind nicht abhängig von Offshore, wir produzieren auch für Windparks an Land. Deshalb können wir hin- und herwechseln“, sagt Giese. Onshore sei Frankreich der größte Auslandsmarkt für die Firma.

Durchstarten nach der Durstrecke

WAB-Geschäftsführer Wellbrock bemängelt die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): „Die Offshore-Windenergie ist Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden“, meint er. Die neuen Regelungen führten zu einem Investitionsstopp. Er hofft, dass alle Unternehmen die Durststrecke überleben und dann ab 2025 wieder durchstarten können.