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„Walther Herwig III“ zurück aus der Ostsee: Weniger, aber gesündere Dorsche

Weniger Dorsche in der Ostsee, dafür aber gesündere Tiere: Das ist das Ergebnis einer Expedition des Forschungsschiffes „Walther Herwig III“. Das Schiff ist in seinen Heimathafen Bremerhaven zurückgekehrt. „Das war eine außerordentlich erfolgreiche Reise“, meldete Fahrtleiter Dr. Marc-Oliver Aust. Im Fokus der Reise standen Fischkrankheiten, Radioaktivität, Müll und das neue Projekt „Daimon“.

Dank des für Dezemberverhältnisse recht guten Wetters herrschten laut Aust optimale Bedingungen für die Abwicklung des vierteiligen Forschungsprogramms in Nord- und Ostsee.

Vorbehaltlich endgültiger Ergebnisse, die sich erst nach Auswertung aller Proben in den Laboren des Hamburger Thünen-Instituts für Fischerei-Ökologie ergäben, könnten zunächst nur erste Eindrücke wiedergegeben werden, erläuterte Aust. Das Vorkommen von Dorschen in der Ostsee sei zurückgegangen. „Die als Proben für biologisch-chemische und radioökologische Untersuchungen eingeholten Dorsch-Fänge waren im Vergleich zu den Vorjahren schlechter.“ Dagegen habe sich der Gesundheitszustand verbessert. Das gelte auch für die Kliesche, dem Indikatorfisch der Nordsee, bei dem die „Umweltbelastung offensichtlich abgenommen hat“.

Radioaktivität in der westlichen Ostsee ist stark gesunken

Der Nachweis der unter anderem durch Kernwaffentests, Wiederaufbereitungsanlagen und Unfällen in kerntechnischen Anlagen verursachten Radioaktivität und ihre gesundheitliche Auswirkung in Fischen, Fischereiprodukten, Krusten- und Schalentieren kann, wie der Fischereiökologe erklärte, mittels eingefrorener Proben erst im Labor endgültig erbracht werden. Nach bisheriger Kenntnis sei die vor allem durch Wiederaufbereitungsanlagen erzeugte Radioaktivität in der Nordsee „sehr stark runtergegangen“. „In der Ostsee sind die radioaktiven Werte nach dem Kernkraftwerk-Unfall von Tschernobyl noch sichtbar. Je östlicher, desto höher liegen die Werte; je westlicher, desto tiefer, zum Teil sogar unter denen vor der Tschernobyl-Katastrophe“, so Aust.

Die Mengenerfassung von Müll im Meer und auf dem Meeresgrund war ein weiterer Programmpunkt der Expedition. Es handelt sich dabei um ein internationales Projekt, das vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) für die Nord- und Ostsee koordiniert und organisiert wird. „Wir haben den Müll – vornehmlich Plastik – mit Schleppnetzen aufgefischt und dabei in der Deutschen Bucht mehr als in anderen Seegebieten gefunden,“ berichtete Aust.

Wissenschaftler untersuchen Fische auf Müll- und Munitionsrückstände

Die Müll-Untersuchungen sollen künftig auf den Forschungsreisen intensiviert werden und sich auf treibenden Abfall an der Wasseroberfläche sowie Plastikartikel in Fischen sowie ihre Auswirkung auf die Fischgesundheit konzentrieren.

Auch das im Sommer gestartete Forschungsprojekt „Daimon“ gehörte zum Forschungspensum des zehnköpfigen Wissenschaftler-Teams. „Das Projekt untersucht in der Ostsee und im Skagerrak die Auswirkungen der seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem Meeresgrund liegenden chemischen und konventionellen Munition auf die Fischgesundheit,“ erläuterte Dr. Thomas Lang. Er ist für das Projekt zuständig und leitet die Außenstelle Cuxhaven des Thünen-Instituts für Fischerei-Ökologie. Er wies auf die Gefahr hin, dass Substanzen wie toxische Gifte aus der Munition freigesetzt werden können. Nun soll untersucht werden, „ob Fische das aufnehmen, krank werden und Auswirkung auf die Nahrungskette möglich sind“. In der deutschen Küstenregion lägen 1,6 Millionen Tonnen überwiegend konventionelle Munition, der größte Teil davon in der Nordsee.