Gaffen statt Erste Hilfe – Zu geringe Strafen bei Verkehrsunfällen

Unsicherheit, Angst oder Unkenntnis – die Gründe, warum immer wieder Autofahrer bei einem Verkehrsunfall keine Erste Hilfe leisten, sind vielfältig. Dabei wäre rasches Handeln am Unfallort dringend notwendig, kommt es doch häufig auf die ersten Sekunden und Minuten nach einem Unfall an. 

Filmen für schockierende Bilder

War früher vor allem die Verunsicherung, etwas Falsches zu machen, ausschlaggebend für unterlassene Hilfeleistung, passiert es mittlerweile immer häufiger, dass Menschen anstatt zu helfen ungeniert den Unfallort und die Opfer mit dem Handy filmen und dabei auch die Rettungsmaßnahmen behindern.

Hemmschwelle gesunken

Im Zeitalter von Smartphones, YouTube und Facebook lassen sich Videos binnen weniger Minuten verbreiten. Dabei tritt bei vielen Menschen der Gedanke, helfen zu können, zurück hinter das Bedürfnis, durch aufsehenerregende oder schockierende Bilder Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erhalten. Schaulust gab es zwar schon immer, durch die Informations- und Bilderflut im Fernsehen und im Internet ist jedoch die Hemmschwelle gesunken, selber Bilder schrecklichen Inhalts zu verbreiten.

Zu geringe Strafen für Gaffer

Die rechtliche Handhabe gegen Gaffer ist gering. Wer etwa auf dem Standstreifen anhält, um das Geschehen zu beobachten, und damit den Rettungsweg blockiert, muss nur mit 30 Euro Geldbuße rechnen. Nur wer konkret die eigentlichen Rettungsmaßnahmen stört, muss mit Strafen bis zu 5.000 Euro rechnen.

Rettungsgasse und Hilfeleistung

In der Praxis geht die Polizei gegen den Gaffer aber nur mit einem Platzverweis vor. Gaffen lässt sich aber nicht mit Strafen, sondern durch Überzeugen bekämpfen, so der eindringliche Appell des ADAC. Wer vor einer Unfallstelle im Stau steht, muss für Einsatzfahrzeuge eine Rettungsgasse bilden und bei Erreichen des Unfallorts weiterfahren, sofern keine Hilfeleistung erforderlich ist.