#isso: Nahverkehr sollte für alle kostenlos sein

Luxemburg führt als erster Staat 2020 einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für alle ein. Vorbildlich, findet nord24-Redakteur Peter Gassner, der sich ein solches Modell auch in Bremerhaven, dem Cuxland und darüber hinaus wünschen würde.

Kleines, reiches Land

Luxemburg ist ein sehr kleines Land. Und ein sehr reiches noch dazu. Nicht alles, was dort funktionieren mag, ist auch auf Deutschland übertragbar – das ist schon klar. Und dennoch ist der Schritt, den Luxemburg nun mit dem öffentlichen Nahverkehr geht, überfällig – und zwar auch in Deutschland.

Kein Anreiz

Kaufe ich mir in Bremerhaven ein Einzelticket für den Bus, kostet das 2,50 Euro. Hin und zurück also schon einmal fünf Euro. Da kommt einem das Auto für eine Strecke wie Geestemünde – Innenstadt auch nicht teurer. Klar, man kann auch ein Monatsticket kaufen, dann wird es etwas günstiger. Aber trotzdem: Ein Anreiz auf den ÖPNV umzusteigen ist das nicht. Genauso wie bei einer Bahnfahrt nach Bremen: Hin und zurück zusammen 26,20 Euro.

Besser als Dieselverbote

Doch Anreize wären ja eigentlich dringend nötig. Zwar mag man bei uns noch halbwegs problemlos einen Parkplatz finden und auch ein Dieselfahrverbot droht hier noch nicht. In anderen deutschen Städten sieht das allerdings ganz anders aus. Statt solcher Verbote, die wohl kaum geeignet sind, für bessere Luft zu sorgen, wäre es wesentlich sinnvoller, mehr Menschen häufiger mal zum Busfahren zu bewegen.

Mehr Menschen, mehr Busse

Das würde neben besserer Luft und Klimaschutz auch für weniger Staus sorgen. Zudem würden mehr Menschen, die Bus fahren, auch mehr Busse benötigen. Das heißt die zeitlichen Abstände würden schrumpfen – und das ÖPNV-Angebot somit noch einmal attraktiver werden.

Alle zahlen

Klar, einen kostenlosen Nahverkehr kann es so gesehen ja gar nicht geben. Wenn nicht der Fahrgast zahlt, zahlt der Steuerzahler. Ein weiterer Grund, dieses Angebot dann auch zu nutzen. Für arme Menschen – davon gibt es ja auch in Bremerhaven einige – wäre das hingegen eine Entlastung. Und das teure Busticket kein Hindernis mehr, an kulturellen Angeboten teilzunehmen.

Peter Gassner

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Peter Gassner, geboren am Niederrhein, volontierte nach seinem Studium der Geschichte und Politik im mittelhessischen Marburg bei der dort ansässigen Oberhessischen Presse. Nach Zwischenstation beim General-Anzeiger in Bonn wurde er nun an die Nordsee-Küste gespült. Besonderes Interesse an Sport aller Art.