AWO-Projekt: Besseres Klima in der Pflege

Wer hat die Medikamente so komisch eingeräumt? Und wieso kommt die Kollegin im Dienstplan so gut weg? Ärgernisse wie diese können in der Altenpflege für schlechte Stimmung sorgen. Dabei ist der Job ohnehin stressig genug. Wie kann man die Pflegekräfte trotzdem im Beruf halten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Für nächste Generation attraktiv bleiben

Der Job ist hart, die Personaldecke dünn, ständig ist jemand krank. Die Kollegen, die für die fehlenden mitarbeiten müssen, gehen irgendwann auf dem Zahnfleisch. Sie werden die nächsten sein, die sich einen gelben Schein vom Arzt holen. Überlastung und hoher Krankenstand gehen Hand in Hand – so sieht der Teufelskreis aus, der in vielen Altenpflegeeinrichtungen zum chronischen Notstand führt, erläutert Heike Bülken. Sie leitet das Projekt „PflegeWege2020“, das zurzeit in den fünf stationären Einrichtungen der Awo läuft. Ziel: Es soll den 340 Pflegern, Helfern und Betreuungskräften besser gehen, damit sie bleiben. Zudem müsse man für die nächste Generation in der Branche attraktiv bleiben, weiß die Personaltrainerin.

Umgang miteinander verbessern

Doch wie soll das Projekt das Arbeitsklima verbessern? „An manchen Rahmenbedingen können wir nichts ändern“, stellt Bülken klar und meint damit unter anderem den Personalschlüssel. Es gebe aber gewisse Stellschrauben, an denen man drehen könne. Dreh- und Angelpunkt sei hierbei die Kommunikation, der Umgang miteinander müsse verbessert werden. Eine Konfliktlinie bestehe insbesondere zwischen Jung und Alt. „Ein Beispiel ist das Thema Ordnung. Langjährige Mitarbeiter haben oftmals für sich ein eigenes System entwickelt, auf dem sie beharren“, weiß Bülken. Der Nachwuchs nehme dies manchmal nicht an, wenn es für ihn keinen Sinn ergibt. Die Jüngeren wüssten um ihren Wert auf dem Markt, und scheuten nicht davor zurück, den Arbeitgeber zu wechseln.

Erste Erfolge zu erkennen

Außer dem Generationenkonflikt zwischen „alten Hasen“ und Neueinsteigern, stünden beim Projekt PflegeWege2020 die Rolle der Führungskräfte, der Umgang mit Bewohnern und Angehörigen sowie die Zusammenarbeit in den Teams im Fokus. Während die Führungskräfte für sich bei mehreren Workshops Leitlinien und ein neues Selbstverständnis erarbeitet hätten, seien die Mitarbeiter in den Bereichen „Kollegiale Beratung“ und Resilienz geschult worden. Bei der Methode der Kollegialen Beratung gehe es darum, auf einer Hierarchieebene berufliche Probleme zu besprechen, Anteil zu nehmen, Erfahrungen zu teilen und Lösungsansätze zu erarbeiten, erläutert Projekttrainer Thomas Krüger. Erste Erfolge seien bereits zu erkennen, ist sich Projektleiterin Heike Bülken sicher. Indikator ist für sie dabei unter anderem ein gesunkener Krankenstand.