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Böller und Bomben: Bei manchen Demenzkranken weckt Silvester die Angst vorm Krieg

Es knallt, donnert und zischt – Böller explodieren in der Nacht, Raketen schießen in den Himmel. Silvester ist für viele Menschen wieder ein riesiger Spaß gewesen. Aber nicht für alle. Bei Demenzkranken können die lauten Geräusche Panik auslösen und böse Erinnerungen wecken. Manch Pflegeheim-Bewohner ist aus Angst vor einem Bombenangriff sogar schon unter den Tisch gekrochen.

Aufschrei: „Die Russen kommen“

Ein Bewohner habe einmal die Scheibe des Feuermelders eingeschlagen und geschrien: „Die Russen kommen!“, berichtet Nicole Eilers, Leiterin dervon der Arbeiterwohlfahrt betriebenen Pflegeeinrichtung Lotte-Lemke-Haus .

Stärkere Unruhe

Das sei natürlich ein Extremfall. Manche Bewohner mit Demenz reagierten auch so gut wie gar nicht auf den plötzlichen Lärm. „Viel hängt davon ab, in welchem Stadium der Erkrankung sich der Betroffene befindet“, erläutert Eilers. Im Schnitt könne aber schon eine stärkere Unruhe beobachtet werden. „Die Leute laufen dann beispielsweise viel hin- und her oder verlassen oft die Tische“, berichtet sie.

Demenzkranke leben meist nicht im Hier und Jetzt

Eines dürfe schließlich nicht vergessen werden: „Demenzkranke leben meist nicht im Hier und Jetzt, im Jahr 2018 und sind 88 Jahre alt“, erklärt Eilers. Sie gingen im Geiste zurück in die Vergangenheit, Erinnerungen aus früheren Zeiten erscheinen ihnen wie die Realität. Jugend und Kindheit seien wieder ganz präsent – und bei einigen eben auch der Krieg als besonders einschneidendes Erlebnis.

Ein Bewohner hat permanent in Kriegsangst gelebt

Bei manchen brauche es noch nicht einmal ein Silvesterfeuerwerk, um die Angst vor Bombenangriffen wach zu rufen. „Ein ehemaliger Bewohner bei uns hat permanent in dieser Situation gelebt. Er dachte immer, es sei Krieg“, erzählt sie. Da habe es schon gereicht, wenn eine Tür etwas stärker ins Schloss gefallen ist. „Er war dann sehr aggressiv – aber ja nur, weil er Panik hatte“, sagt Eilers.