Bremerhavener Spezialschiff hilft bei Bergung von Bomben in der Ostsee

Minen, Torpedos, Bomben oder Granaten – in Nord- und Ostsee finden sich die gefährlichen Relikte des Zweiten Weltkrieges noch zuhauf. Der Kampfmittelräumdienst des Landeskriminalamts (LKA) Schleswig-Holstein kümmert sich um die Beseitigung der explosiven Altlasten. Unterstützung bekommen die Experten dabei immer wieder auch durch ein Schiff aus Bremerhaven – die „Schall“.

Ruhiges Rentnerleben? Von wegen!

Der Bremerhavener Uwe P. C. Roth hätte die Dinge als Rentner eigentlich ruhig angehen lassen können. Doch stattdessen heuerte der 77-Jährige mit Eintritt in die Rente als Freiberufler bei der Firma im Fischereihafen an, die auch die „Schall“ bereedert. Seitdem hat Roth schon mehrfach aus nächster Nähe das in Augenschein nehmen können, was die Kampfmittelräumer mit Hilfe der „Schall“ aus der Ostsee fischen.

Die "Schall"
Die "Schall" Foto: Heske

Mit vierköpfiger Besatzung unterwegs

Das Schiff gehörte zunächst zur Capt. Kronisch GmbH, heute zur Haraco Holding GmbH – der Reeder ist derselbe. Roth erledigt für die Firma vor allem technische Abnahmen im Umweltschutzbereich oder überprüft in Hafenbetrieben und auf Schiffen die Einhaltung von Arbeitssicherheitsvorschriften. Doch wenn Not am Mann ist, steht Roth auch an Deck der „Schall“. Die muss mit einer vierköpfigen Besatzung fahren.

50 Meter langes Spezialschiff

Zur Unterstützung hat das LKA Schleswig-Holstein die „Schall“ bereits häufiger gechartert. Das rund 50 Meter lange Spezialschiff nimmt vor den Bergungsfahrten das Aluminium-Arbeitsboot „Barbara“ des Kampfmittelräumdienstes huckepack an Deck und setzt mit Hilfe ihres Krans das Boot im Bergungsgebiet wieder ins Wasser. Ebenfalls Platz hat die 1962 als Forschungsschiff vom Stapel gelaufene „Schall“ für Container, in denen die Taucher des Kampfmittelräumdienstes ihr Arbeitsmaterial an Bord bringen.

Durch den Moonpool ins Wasser

Eine Spezialität verbirgt sich im Rumpf der „Schall“: ein sogenannter Moonpool, eine Öffnung unten im Schiffsrumpf. „Bei kabbeliger See können Taucher gefahrlos durch die Schiffsmitte abgesetzt und aufgenommen werden“, erläutert Roth. Weil sich die Öffnung zwar innerhalb des Rumpfes, aber oberhalb der Wasserlinie befindet, gefährdet der Moonpool nicht die Stabilität des Schiffes.

Entsorgung an Land

Die abgesetzten Taucher nehmen dann den vermuteten Munitionsfundort in Augenschein. Wenn etwas geborgen werden soll, hievt die „Schall“ einen Sprengkörper oder Kisten voller Granaten mit Hilfe ihres Kranes an Bord und transportiert die gefährliche Fracht zur Entsorgung an Land. Sprengstoff auf dem Oberdeck? Ein mulmiges Gefühl habe Roth trotzdem nicht: „Wenn sich die Taucher trauen, die Munition in 16 bis 18 Metern Tiefe mit Gurten festzumachen, dann mache ich mir keine Sorgen.“

Die „Schall“ hilft auch der Bundeswehr

Mit moderner Munition hat die „Schall“ gelegentlich auch zu tun. „Im Nebenjob setzen wir gelegentlich Zielbojen für das Torpedo-Testschießen der Bundeswehr“, berichtet Roth. Zivilere Aufträge wickelt das Schiff jedoch ebenfalls ab: „Wir machen zum Beispiel auch Sonartests im Auftrag eines Unternehmens.“