Bremerhavens „Auswanderer“ aus Ostfriesland

110 Jahre lang hielt der Verein „Frisia“ die Gebräuche der Ostfriesen von der anderen Weserseite hoch. Aus Altersgründen wurde der Verein zwar aufgelöst, alle Requisiten bis hin zu Flagge hat das Historische Museum bekommen. Doch Jürgen Tiddens und seine Vereinsfreunde hoffen auf Wiederbelebung durch einen Ostfriesen-Stammtisch. Dafür suchen sie nun jüngere Mitstreiter. Natürlich aus Ostfriesland.

Arbeitslose wanderten um 1900 aus Ostfriesland aus

Die Geschichte der eingewanderten Ostfriesen auf Bremerhavener Boden ist alt. Schon vor 150 Jahren boten ostfriesische Fischer ihre Fänge hier auf der anderen Weserseite feil. Arbeitslosigkeit und Not trieb um 1900 viele Ostfriesen aus Emden, Aurich, Leer in die Bremischen Häfen. Auch Malermeister Ihno Tiddens kam aus Westrhauderfehn hier her. 1906 gründete er mit fünf gleichgesinnten Handwerksmeistern den Verein „Frisia“.

Verein  pflegte Kluntjes-Tee, Struckbessen und Platt

Vor allem wurde dort „Platt proten“, das ostfriesische Plattdüütsch gesprochen. Die klassische ostfriesische Teezeremonie gehörte dazu, Kluntjes knackten in den Teetassen. Die Frisiamusikanten sammelten Liedgut „von drüben“, die Laientruppe spielte Mundart-Schwänke aus dem Land der Gotländer. „Struckbessen“, also Reisigbesen, wurden zu Weitwurfgeschosen.  Die Kinder und Enkel der ostfrisischen Familien führten die Traditionen fort.

Lobby für das Institut für niederdeutsche Sprache

„Doch wir mussten aus Altersgründen aufhören mit dem Verein“, bedauert Jürgen Tiddens vom Vorstand. Dem Enkel des Frisia-Gründers und seiner Frau – auch ostfriesischer Abstammung – liegt vor allem der Dialekt am Herzen. „Damit unsere Sprache nicht ausstirbt“, bangen sie. Dass dem  Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen nun das Aus droht, tut ihnen weh.

Auf Kriegsfuß mit Otfriesenwitzen

„Wir würden so gern die ostfriesische Tradition in Bremerhaven bewahren“, sagt Tiddens, „wenn sich jüngere aus Ostfriesland Ausgewanderte in der Stadt zum Mitmachen fänden.“  Auf Ostfriesenwitze sind die Frisianer übrigens schlecht zu sprechen. „Wir nehmen alles, was wir tun sehr ernst“, halten sie der Veräppelung entgegen. Die NORDSEE-ZEITUNG hatte am 26. Juni 1971 als erste deutsche Tageszeitung die Nase vorn mit ihrer Meldung „Ostfriesenwitze sind in aller Munde“. Kurz danach trat Otto Waalkes erstmals im Fernsehen auf.