Chance für jeden Azubi ohne Blick auf Herkunft und Zeugnisnoten

Viele Handwerksbetriebe finden nach eigenen Angaben keinen Azubi. Das kann Thorsten Fischer, Inhaber von Fischers Haustechnik nicht verstehen. „Es gibt geeignete Kandidaten, man muss ihnen nur eine Chance geben – ungeachtet von Herkunft und Zeugnisnoten“, ist er der Überzeugung und hat gute Erfahrungen damit gemacht.

Schlechtere Noten im Zeugnis bedeuten nicht unbedingt, dass jemand dumm ist. Vielen jungen Leuten fehlt einfach nur ein geregeltes Umfeld“, sagt Fischer. Das kann sein Verkaufsleiter Thomas Wittig nur bestätigen. „Bei schlechten Noten frage ich immer erst, ob derjenige dumm oder faul ist. Bei Dummen kann man nichts machen, allen anderen kann man helfen“, meint er und lächelt. So habe er Auszubildende gehabt, die am Ende Einsen und Zweien im Zeugnis gehabt hätten.

Zusammenarbeit mit mehreren Institutionen

Sicherlich gehe das nicht immer gut, schränkt Fischer ein: „Man muss aber auch den Mut zum Griff ins Klo haben – bildlich gesprochen“, sagt er. Zudem könne man aber ja auch immer mögliche Bewerber in einem Praktikum testen. Er arbeitet zudem mit mehreren Institutionen zusammen, beispielsweise mit der Agentur für Arbeit, dem Arbeitsförderungs-Zentrum (AFZ) im Lande Bremen und dem Ausbildungsprojekt Nordchance.

Über diese Organisationen hat er auch Tom Bruns (17), Hasan Kayran (21) und Mohammed Sabir (20) gefunden. „Die machen sich alle drei sehr gut. Sie sind fleißig und geschickt“, lobt Fischer. Das Besondere an den drei jungen Leuten – alle haben unterschiedliche nationale Hintergründe.

Als Kind aus dem Irak geflohen

Mohammed Sahir stammt ursprünglich aus dem Nordirak, aus einem Ort an der Grenze zum Kurdengebiet. Vor den Konflikten dort floh seine Familie in die Türkei. „Da war ich noch ein Kind“, erinnert er sich. Nach fünf Jahren musste seine Schwester am Herzen operiert werden – und zwar in München.

„Mein Bruder, meine Eltern und ich sind mitgegangen. Zuerst sind wir nach der OP nach Bremen gezogen, dann nach Bremerhaven“, erzählt Sabir, der jetzt seit etwa 13 Jahren in Deutschland lebt. Seine Schwester macht gerade Abitur, sein Bruder studiert Medizin. Nur bei ihm klappte es nicht mit einem Ausbildungsplatz. Übers AFZ kam er schließlich zu Fischers Haustechnik. Hier fühlt er sich wohl.

Hasan Kayran: Ich bin woanders nur ausgenutzt worden

Hasan Kayran ist türkischer Abstammung, aber in Deutschland geboren und spricht fließend Deutsch. Trotzdem hatte auch er Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Ich habe schon zwei lange Praktika gemacht, doch in den jeweiligen Betrieben bin ich nur ausgenutzt worden“, sagt er. Doch er wollte Handwerker werden. Die Arbeitsagentur schickte ihn zum AFZ, und das brachte ihn schließlich in Kontakt mit Thorsten Fischer. „Es gefällt mir hier sehr gut. Und jetzt kann ich Anlagenmechaniker werden, wie mein Onkel“, freut er sich.

Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden, hatte auch Tom Bruns. Der Junge mit dem deutschen Namen hat einen afrikanischen Einschlag. Kein Wunder: Sein Vater kommt aus Nigeria. Er fand schließlich über das Ausbildungsprojekt Nordchance seinen Traumjob bei Fischers Haustechnik.

„Die Jungs sind gute Beispiele dafür, dass ich richtig liege“, sagt Fischer. Alle drei lernen bei ihm nun den Beruf des Anlagenmechanikers. Über das AFZ hat er auch eine junge russische Auszubildende fürs Büro gefunden. Kauffrau für Büromanagement nennt sich dieser Beruf. „Eigentlich hatte ich niemanden fürs Büro gesucht. Trotzdem bin ich sehr zufrieden“, sagt Fischer.

Auch Flüchtlinge als Azubis möglich

Er kann sich auch vorstellen, junge Flüchtlinge einzustellen. „Es ist doch genau das gleiche wie bei deutschen Jugendlichen. Wenn sie nichts Anständiges zu tun haben, geraten sie auf die schiefe Bahn“, meint der Firmeninhaber. Er ist zudem überzeugt, dass gerade die jungen Leute nicht für immer in Deutschland bleiben werden. „Wenn der Krieg in ihren Heimatländern vorbei ist, braucht man dort vor Ort Menschen für den Wiederaufbau“, ist er überzeugt. Ohne diese gut ausgebildeten jungen Leute helfe auch die größte Geldsumme nicht. Fischer hofft nun, dass auch viele andere Firmen seinem Beispiel folgen werden.