Das Vinyl ist zurück: Cashmir-Inhaber Michael Steffens über das Comeback der schwarzen Scheiben

Totgeglaubte leben am längsten: Lang lebe die Schallplatte. Sie erfährt gerade ein gigantisches Revival. Satte 5,1 Prozent Zuwachs legte das Vinyl nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie im Jahr 2017 hin. „Ich habe immer an die Platte geglaubt“, bleibt Michael Steffens, Inhaber des Ladens Cashmir – Second Hand Records gelassen. Seit 1981 sind die schwarzen Scheiben ein Dauerbrenner in seinem Geschäft in Bremerhaven-Geestemünde.

„Klingt einfach besser“, sagt der 64-Jährige knapp. Als angeblich nahezu unkaputtbar standen CDs dereinst in den Startlöchern, um die Totenglocke für das Vinyl zu läuten. „Alles Quatsch“, so Steffens und streift beinahe zärtlich über das Cover seiner persönlichen Lieblingsschallplatte: Steppenwolf: „Born to be wild.“ Seit 1981 verkauft er gebrauchte Schallplatten und mittlerweile auch gebrauchte CDs in seinem kleinen Geschäft in der Nähe des Hauptbahnhofes. Seinen Laden hat er nach dem Song „Kashmir“ von Led Zeppelin benannt.

Nachfrage nach Platten ist nie abgerissen

Schallplatten haben Rillen, ihre Cover riechen nach Pappe und irgendwie nach Vergangenheit. Sie machen Musik haptisch erlebbar. Ist das der Grund dafür, dass sie in Zeiten von Spotify und Apple Music ein Revival erleben? „Mag sein, aber hier ist die Nachfrage nach Schallplatten nie abgerissen“, sagt Steffens. Kein Wunder, denn wer sein Herz ans Vinyl gehängt hatte, wurde lange Jahre wohl vor allem in Secondhand-Läden fündig. Doch seitdem die Platte wieder das große Rad dreht, will auch der Unterhaltungs- und Elektronik-Konzern Sony wieder Schallplatten pressen – rund 30 Jahre, nachdem das Label die Produktion mit Blick auf das damals immer beliebter werdende CD-Format eingestellt hatte. Die verkauft Steffens zwar auch in seinem Secondhand-Geschäft, aber wer genau hinhört, merkt schnell, dass das Vinyl der Stoff ist, aus dem seine Faszination besteht: „Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Stage“, zählt er seine Lieblinge auf.