Anzeige

Ein Lichtblick für einsame Kranke

Die Tür geht auf und die Sonne auch. Zumindest, wenn eine der Frauen vom Besuchsdienst des Klinikums Reinkenheide ein Krankenzimmer betritt. Zuhören, kleine Besorgungen im Haus erledigen oder einfach die Hand halten – all das ist für viele Patienten eine besondere Medizin: Balsam für die Seele.

Urgestein des Besuchsdienstes

So ein Tag im Krankenhaus kann ganz schön lang werden. Besonders dann, wenn man keinen oder wenig Besuch bekommt. „Wie Seeleute oder Bewohner Helgolands beispielsweise“, zählt Herma Balzer auf. Sie ist eines der Urgesteine des Besuchsdienstes, der im Jahr 2009 von Margarete Reimelt ins Leben gerufen wurde. Doch auch, wenn Menschen ohne hohe Besucherfrequenz ursprünglich die Zielgruppe der Initiative waren, öffnen die zurzeit vier aktiven Ehrenamtlichen Ohren und Herzen sehr wohl auch für andere Patienten, die das wünschen. „Ich gehe in die Zimmer und biete mich für ein Gespräch an“, sagt Renate Jachenholz. Seit fünf Jahren macht sich die Ruheständlerin regelmäßig auf den Weg zum Klinikum. Wie häufig entscheiden die Ehrenamtlichen individuell.

Angehörige nicht belasten

Zurzeit klopft Renate Jachenholz vor allem auf den Stationen sieben und acht an die Türen der Krankenzimmer. „Die meisten Patienten sind sehr freundlich und freuen sich über das Angebot, sich das eine oder andere von der Seele reden zu können“, so Renate Jachenholz. „Wenn ich das merke, hole ich mir einen Stuhl und höre einfach zu.“ Dabei kämen ihr häufig Dinge zu Ohren, die die Patienten ihren Familien nicht anvertrauten: „Weil sie ihre Angehörigen nicht belasten wollen.“

Viele Motive für ehrenamtliches Engagement

Doch was, wenn das Erlebte die Damen vom Besuchsservice so stark berührt, dass es sie nicht los lässt? „In solchen Fällen oder wenn die Frauen spüren, dass der Patient intensive seelsorgerische Unterstützung benötigt, können sie sich jederzeit an mich wenden“, sagt Claudia Huter-Dosdal. Die Seelsorgerin im Klinikum leitet die Gruppe an, zu der momentan nur Frauen zählen. „Männer sind natürlich auch herzlich willkommen“, sagt Claudia Huter-Dosdal. Motive, sich ehrenamtlich beim Besuchsservice zu engagieren, gibt es viele. „Als ich in den Ruhestand ging, stand für mich fest, dass ich mich ehrenamtlich engagieren wollte“, erzählt Christiane Janschow. Und da sie beruflich bereits seit 1976 mit dem Klinikum verbunden war, lag ein Engagement beim Besuchsdienst für sie nahe.