Erdgasumstellung: Senioren frieren lieber, als Hilfe anzunehmen

Der Energieversorger EWE steht vor einem Problem: Zurzeit muss er alle Erdgasgeräte umrüsten. Manchmal stellt sich hierbei allerdings heraus, dass die Heizung aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden muss. Damit Senioren dann nicht im Kalten sitzen müssen, kooperiert EWE mit dem Malteser-Hilfsdienst. Doch die Älteren nehmen die Hilfe nicht an.

Oft öffnen ältere Menschen die Tür

Zurzeit besucht EWE Netz rund 195 000 Kunden pro Jahr für die Erdgasumstellung. Klar, dass da nicht nur gesunde und junge Menschen ihre Türen öffnen. „Sogar ziemlich häufig betreten wir Wohnungen von älteren und kranken Kunden. Andere pflegen zu Hause auch einen kranken Angehörigen“, sagt Niels Neunaber. Er ist der technisch verantwortliche Mitarbeiter für die Erdgasumstellung bei EWE Netz. Deshalb kooperiert das Unternehmen mit den Maltesern. Ziel dabei ist es, älteren und kranken Kunden sofort zu helfen, falls deren Heizung aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden muss. Der Haken daran ist allerdings bislang: Ältere sagen nicht, dass sie Unterstützung brauchen. Mit ernsten Folgen: Denn falls die Erdgasheizung sofort gesperrt werden muss, werden die Wohnung und auch das Wasser schnell kalt.

Senioren sind zu stolz

Roland Brüggemann, Teamleiter bei den Maltesern, hat eine Vermutung, weshalb die Senioren keine Hilfe haben wollen: „Die Betroffenen haben in ihrem Leben schon ganz andere Situationen gemeistert“, erläutert er. „Und jetzt soll eine defekte Heizung sie aus der Bahn werfen? Das können viele in dem Moment vor dem jungen Gasmonteur eventuell nicht zugeben. Sie zittern sich dann lieber durch eine kalte Nacht oder sogar durch ein eiskaltes Wochenende.“

Malteser könnten Verwandte informieren oder Schlafplatz besorgen

Dabei könnten die Malteser helfen: Sie würden sich telefonisch einschalten und beispielsweise bei der Suche eines lokalen Installateurs helfen, der das Gerät reparieren oder warten kann. „Bei Bedarf würden wir auch die örtliche Sozialstation oder den Pflegedienst des Kunden kontaktieren“, sagt Malteser-Mitarbeiter Brüggemann. Die Helfer könnten zudem zu Verwandten, Vermietern und Hausverwaltung Kontakt aufnehmen. Oder – falls gewünscht – würden sie ein Hotelzimmer oder sogar einen Kurzzeit-Pflegeplatz organisieren. „Vorrang hätte aber immer, dass die Betroffenen wie gewohnt zu Hause wohnen bleiben können“, so Brüggemann weiter. Die direkten Leistungen der Malteser wären für Kunden dabei immer kostenfrei.

Warum überhaupt die Umrüstung?

Die Umrüstung der Anlagen ist nötig, weil EWE Netz von L- auf H-Gas umsteigen will. Dies wiederum liegt daran, dass die Niederlanden bald kein L-Gas mehr nach Deutschland exportieren. Das H-Gas stammt hingegen vorwiegend aus Norwegen und Russland. Zurzeit muss das Unternehmen also alle Erdgasgeräte fit für das neue Gas machen. Sind alle Geräte dann bereit, soll das H-Gas ins Netz gespeist werden.