Welt der Wolle: Frauengruppe strickt für Seeleute und Waisenkinder

Wenn begeisterten Strickerinnen Wollknäuel in die Hände fallen, dann sehen sie keine zusammengerollten Fäden, sondern warme Mützen, Handschuhe und Socken, die sich daraus herstellen lassen. Die Mitglieder einer Frauengruppe aus Bremerhaven und dem Umland stellen sich jedoch noch mehr vor: Seeleute, die sich bei einer steifen Brise an Bord über warme wollene Schals freuen. Oder ukrainische oder rumänische Waisenkinder, die sich bunte Mützen aufsetzen. Denn für eben diese Zielgruppen stricken sie vorwiegend. Ehrenamtlich.

Graue Panther haben es angeschoben

„Bei unseren Enkeln landen die gestrickten Sachen inzwischen nur noch in der Schublade“, sagen Felicia Dohls und Irmgard Ratjen einhellig. Aber anderswo sei die Freude groß über Socken und Co. aus wärmender Wolle. Um ihrer Strickleidenschaft weiterhin sinnvoll frönen zu können, haben die beiden Frauen aus Lanhausen sich der Strickgruppe angeschlossen, die der Seniorenschutzbund Graue Panther vor über zehn Jahren angeschoben hat. So lange klappern die Stricknadeln bereits, um unter anderem Wärmendes für Seeleute, ukrainische Kinder oder für Kinder aus bedürftigen Bremerhavener Familien zu stricken.

Zeitungsartikel bringt die Idee

Ein Zeitungsartikel hatte den Anstoß gegeben. „Wir haben einen Aufruf der Seemannsmission gelesen, dass Wärmendes für Seeleute gesucht wird“, berichtet Susanne Peters vom Seniorenschutzbund. Die Mission hatte um Hilfe gebeten, weil Seeleute aus wärmeren Gefilden häufig von den eisigen Temperaturen in den nördlichen Breiten überrascht werden und die Reedereien nicht mehr für warme Sachen sorgten. Bald darauf fand sich ein weiterer Aufruf in der Zeitung – diesmal hatte der Seniorenschutzbund eine Bitte: Wolle gesucht. Der Aufruf war damals ein Riesenerfolg: „Wir haben rund 60 blaue Säcke voller Wolle bekommen“, sagt Peters. Ein Umstand, der zum nächsten Aufruf führte: Strickerinnen gesucht. Und auch damit waren sie erfolgreich. Derzeit engagieren sich 39 Frauen, die das Jahr über zuhause stricken.

Wollnachschub immer gesucht

Das Thema Wollnachschub treibt die Gruppe, die aus Mitgliedern und Nichtmitgliedern des Seniorenschutzbundes Graue Panther besteht, seither stets um. Es gebe zwar regelmäßig Spenden oder auch Geld aus Win-Mitteln – dennoch gebe es hin und wieder Engpässe. „Aber meistens bekommen wir dann wieder etwas“, sagt Susanne Peters zuversichtlich. Und mitunter werde auch „aus alt mach neu“ praktiziert. „Wir rebbeln Strickwaren auf“, sagt Felicia Dohls, die sich regelmäßig mit weiteren Frauen zum geselligen Handarbeiten trifft. Jetzt bitten die Handarbeiterinnen erneut um Wollspenden, damit sie weiter stricken können. Susanne Peters holt die Spenden ab und fährt die Strickerinnen an, um sie mit dem bunten Arbeitsmaterial auszustatten. „Wenn wir das zusammenrechnen, dann haben wir über die Jahre Wolle für rund 60 000 Euro verstrickt“, sagt Peters. Ganz abgesehen von den vielen Stunden, die die Frauen mit ihrer Strickarbeit geleistet haben.

Jahresproduktion: 112 Teile

Brigitte Bauer ist eine der besonders fleißigen Strickerinnen. Ihre Jahresproduktion: 112 Teile. Wie lange sie für ein einzelnes Teil braucht, weiß die 81-Jährige nicht. „Ich stricke immer zwischendurch“, sagt sie. Aber es sind mitunter auch Sachen, die nicht den Körper, sondern die Seele wärmen: gestrickte Püppchen mit Pumuckl-Aussehen oder andere Fantasiewesen, die Dank des Vereins Hiob die Reise in die Ukraine oder andere arme Länder antreten, um den Kindern dort Freude zu bereiten.
Der Sinn ihrer fleißigen Handarbeit wird ihnen deutlich, wenn sie bei einer Übergabe an die Einrichtungen wie der Seemannsmission dabei sind: „Die Seeleute haben dann Tränen in den Augen, weil Menschen in einem fremden Land an sie gedacht haben“, berichtet eine der Frauen gerührt.

› Wolle gesucht: Wer die Strickgruppe mit Wollspenden unterstützen oder als Stricker aktiv werden möchte, kann sich unter Tel. 0471/416963 (Edith Mainzer) oder unter Tel. 0471/ 207393 (Büro Seniorenschutzbund) oder Tel. 0471/37201 (Susanne Peters) melden.