Hafen-Apotheke stellt nach 125 Jahren in Familienbesitz Betrieb ein

Autos gab es auf der Hafenstraße noch nicht, als die Bremerhavener Hafen-Apotheke an der Ecke Auestraße gegründet wurde. Statt dessen fuhren Pferdewagen zwischen den breiten, mit Bäumen versehenen Bürgersteigen, und die Öllampen wichen allmählich der Gasstraßenbeleuchtung. Ein Stück Bremerhavener Geschichte verbindet sich mit der 1894 gegründeten Hafen-Apotheke. 125 Jahre später schließt sie am 31. Dezember für immer ihre Türen.

Ein Stück Kindheit und Jugend

Der Apotheker Volker Schmidtmann blickt auf eine über 30-jährige Tätigkeit in der Apotheke in der Hafenstraße 106 zurück, die ein Stück seiner Kindheit und Jugend geprägt hat. „Nach der Schule bin ich oft zu meinem Vater hierhergekommen“, erzählt Schmidtmann, der dort noch vor seinem Studium in den 1970er Jahren für drei Jahre als Pharmazeutisch-technischer Assistent gearbeitet hat. Am 1. April 1987 übernahm er mit der Apotheke das Erbe seines Vaters Walter und seines Großvaters Otto Schmidtmann, der von 1907 bis 1935 Inhaber war.

 

Walter Schmidtmann, hier in den 1960er Jahren in der Rezeptur, hatte 1949 die Hafen-Apotheke in zweiter Generation übernommen.
Walter Schmidtmann, hier in den 1960er Jahren in der Rezeptur, hatte 1949 die Hafen-Apotheke in zweiter Generation übernommen. Foto: pr

Apothekenbedarf wuchs

Gründer der Hafen-Apotheke war der aus Ostpreußen stammende Emil Raabe. Mit dem Einwohner-Wachstum des damaligen Fleckens Lehe wuchs der Apothekenbedarf. Raabe selbst zog sich aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr von den Geschäften in der Apotheke zurück, um die sich sein Stiefsohn Alfred Hackh bis zum Verkauf 1907 kümmerte. Dann übernahm Otto Schmidtmann die Hafen-Apotheke. Die ersten Jahre waren noch wirtschaftlich günstig, was sich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges änderte. „Mein Großvater wurde nicht zum Kriegsdienst eingezogen, stand zeitweise täglich allein zwölf Stunden in der Apotheke und hatte zusätzlich viele Nächte Dienstbereitschaft“, erzählt Schmidtmann. Hinzu sei die Sorge um die knapper werdenden Medikamente gekommen. Leichter wurde die Tätigkeit auch in der folgenden Inflationszeit nicht. An der Unterweser gab es schwere Jahre, als große Werften stillgelegt wurden und 1931 die Weltwirtschaftskrise zu Zusammenbrüchen führte. In der Zeit der Notverordnungen blieb selbst das Apothekenwesen von Einbußen nicht verschont – die Lage der Krankenkassen zwang die Ärzte zu sparsamster Verschreibung.

Apotheke bis 1948 verpachtet

Otto Schmidtmann verstarb 1936, sodass die Apotheke bis 1948 an den Apotheker Heinrich Suermann verpachtet wurde, der allerdings im Zweiten Weltkrieg zum Wehrdienst eingezogen wurde. So arbeitete der Sohn Otto Schmidtmanns, Walter, als Vertreter des Pächters in der väterlichen Apotheke, die am 18. Juni 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. „Ein großer Teil des Inventars und der Vorräte konnten aus dem brennenden Haus gerettet werden“, berichtet Schmidtmann. „Damit wurde im Erdgeschoss des Nachbarhauses, Hafenstraße 108, eine Notapotheke eingerichtet.“ Nach Kriegsende übernahm Walter Schmidtmann 1949 die Apotheke seines Vaters, die noch beim Nachbarn untergebracht war. Nach dem Wiederaufbau wurde die Hafen-Apotheke am 1950 am alten Standort eröffnet. Das einstige Villengebäude allerdings wurde durch ein zu jener Zeit modernes Wohnhaus ersetzt.

Kein Nachfolger vorhanden

Nun, nach 125 Jahren Hafen-Apotheke, verabschieden sich zum Jahresende Schmidtmann und seine Mitarbeiterinnen von ihren Kunden. Einen Nachfolger gibt es nicht. „Meine Kinder haben sich für andere Wege entschieden“, sagt Schmidtmann, der mit gemischten Gefühlen in den Ruhestand geht. „Viele unserer älteren Kunden waren schon bei meinem Vater – es war immer sehr persönlich und hat immer Spaß gemacht. Wir bedanken uns bei allen für die Treue und das Vertrauen und wünschen schöne Weihnachtsfeiertage und Gesundheit für das Jahr 2019.“ (bhi)