Wremer Psychotherapeutin kümmert sich ehrenamtlich um Migrantenkinder

Das Mädchen war 15 Jahre alt, als sie ihre Therapie begann. Kurz zuvor war ihr Vater bei der Flucht aus Syrien gestorben – bei einem Autounfall. Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Hanne Popp kümmerte sich um sie – ehrenamtlich. Regelmäßig bietet die Wremerin im Kinderhilfezentrum Connect der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bremerhaven ihre Hilfe an. Zurzeit kommen zwei Jungs und ein Mädchen aus Bulgarien zu ihr. Das syrische Mädchen hat seinen Weg gemacht und besucht jetzt eine Regelschule.

Das, was dem Mädchen auf der Flucht widerfahren ist, habe sehr gut bearbeitet werden können, berichtet Hanne Popp. Das liege vor allem daran, dass die 15-Jährige sehr intelligent und erreichbar gewesen sei. Doch nicht immer verlaufen die 50-minütigen Einzelsitzungen so reibungslos, sagt die Therapeutin im Ruhestand, die vor zwölf Jahren ihre Praxis von Hamburg nach Wremen verlegt hatte.

Jungs zeigen sich teilweise aggressiv und unreif

Während viele der Mädchen extrem zurückhaltend und schüchtern seien, fielen die hilfebedürftigen Jungs oftmals durch aggressives und unreifes Verhalten auf. „Am Anfang können manche überhaupt keine Regeln einhalten“, erläutert die Therapeutin. Dies äußere sich beispielsweise darin, dass selbst Brettspiele die Kinder überforderten, weil sie immer gewinnen wollen. Auch der Respekt gegenüber einer Frau als Therapeutin sei nicht immer selbstverständlich, hat Popp beobachtet.

Dass das gemeinsame Spielen gelingt, ist für die Therapie aber von zentraler Bedeutung: Weil die Kinder noch nicht richtig deutsch sprechen, ist es beinahe die einzige Kommunikationsform, über die Popp mit den kleinen Klienten in Beziehung treten kann.