Kampagne gegen Baby-Schütteln soll Eltern helfen

Das Baby schreit und schreit. Die Eltern sind mit den Nerven am Ende. Es reicht nur ein kleiner Augenblick, in dem sie die Kontrolle verlieren. Ein kurzes Schütteln genügt, und der Säugling ist sein Leben lang geschädigt. Manchmal stirbt er auch. Um Eltern zu zeigen, wie sie in solchen Situationen die Beherrschung behalten, läuft in der Seestadt aktuell ein Aufklärungsprogramm.

Bundesweites Informationsangebot

Babys können ihren Kopf noch nicht alleine halten, beim Schütteln wird er hin- und hergeworfen. Blutgefäße und Nervenbahnen können reißen. Die Folge: Krampfanfälle, geistige und körperliche Behinderungen. Zehn bis 30 Prozent der betroffenen Kinder sterben. Als Hauptursache für die Verzweiflungstat von Mutter oder Vater gilt anhaltendes Babyschreien. Eine Infokampagne soll in diesem Herbst insbesondere junge Eltern dafür sensibilisiert, wie schnell so etwas passieren kann, und wie sie mit der Überforderung umgehen können. Die Aktion unter dem Titel „Stärken statt Schütteln“ ist ein bundesweites Angebot, an dem sich auch Bremen und Bremerhaven beteiligen.

Broschüre in sechs Sprachen

„Viele Eltern kennen den Begriff ,Schütteltrauma‘ gar nicht. Ihnen ist auch nicht bewusst, wie schnell so etwas geschen kann“, weiß Sozialpädagogin Martina Völger, die beim Jugendamt die Stabsstelle „Jugendhilfeplanung“ leitet. Bei verschiedenen Veranstaltungen solle jetzt über das Thema informiert werden. Zudem werden in der Stadt 1000 Postkarten verteilt, die auf das Problem aufmerksam machen wollen. Verteilt werden sie beispielsweise bei Frauenärzten, in der Kinderklinik und in den Familienzentren. Sie sind in sechs Sprachen verfasst: Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Arabisch. „Auch Bremerhaven Bus unterstützt uns, und weist während des Aktionszeitraums in den Fahrzeugen auf die Kampagne hin“, berichtet Völger.

Im Vorfeld Hilfe organisieren

Was genau können Eltern tun, um sich gegen kritische Situationen zu wappnen? Wenn ein Kind trotz aller Bemühungen anhaltend schreit, dann sei es wichtig, einem vorher festgelegten Fahrplan zu folgen, rät sie. „Zunächst sollte das Baby sicher abgelegt werden – zum Beispiel ins Gitterbett.“ Danach sollte der betroffene Elternteil den Raum verlassen durchatmen und ab und zu nach dem Säugling schauen. Dadurch komme man selbst zur Ruhe und erhalte die Kontrolle wieder. „Gut ist es auch, wenn im Vorfeld Hilfe organisiert wird. Das kann eine Freundin, die Schwester oder eine Nachbarin sein, die in einer angespannten Situation kurze Verschnaufpausen ermöglicht“, meint Völger.