Kippen, Kriminelle und Klischees: Was unser Kolumnist in Bremerhavens Kneipen erlebt

Vor rund anderthalb Jahren ist Matthias Wittmaack nach Bremerhaven gezogen und hat seitdem allerhand in der Seestadt erlebt. In der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Bremerhaven, wenn…“ bekam er über 760 Likes für einen Beitrag, in dem er über die Vorurteile seiner Mitmenschen berichtete, denen er mitteilte, nach Bremerhaven ziehen zu wollen. Auf nord24.de berichtet er jeden zweiten Donnerstag in einer Kolumne über seine Eindrücke von der Stadt. 

Als Zuhörer in der Kneipe

Gestern saß ich in einer von Zigarettenrauch geschwängerten Kneipe am Tresen, trank mein Bier, und hörte den Gesprächen der links und rechts von mir stehenden Gäste zu. Das Durchschnittsalter lag ab 40 Jahre aufwärts. Der Geruch lag zwischen WC-Blau, Achselschweiß, Zigarettenrauch und wilden Damenparfüms, die keine Wünsche übrig ließen.

„Da hat er seine Frau einfach aus dem Fenster geworfen in den Garten. Und gleich die Sachen hinterher!“, wurde lachend erzählt.

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„Wenn du das noch einmal sagst, noch einmal….dann!“, wurde leicht angetrunken gedroht.

„Ich bekomme immer weniger Geld vom Arbeitsamt!“, wurde festgestellt mit der Schachtel Marlboro und dem Cola-Weinbrand vor der Nase.

„Da müsste nur mal wieder einer kommen und aufräumen. Hat 39 ja auch geklappt!“, wurde stramm stehend resümiert.

So ziemlich alle Klischees wurden bedient, die man sich denken kann bei Menschen, die einen zu viel getrunken haben.

Jugend im Fokus

Am meisten aber wurde sich über die heutige Jugend und die jugendlichen Ausländer beschwert: In einer Stadt wie Bremerhaven wachsen viele Jugendliche heran, die die gleichen Wünsche und Träume haben, wie die Jugendlichen auf der ganzen Welt. Leider ist die Wahl der Waffen, um es zu erreichen sehr ungleich gewählt und verteilt.

Jugendliche brauchen Vorbilder

Aber Jugendliche brauchen Vorbilder, nach denen sie sich richten können. Respekt vor dem, was andere erreicht haben bzw. erreichen konnten. Ihnen zu erzählen, das man mit Fleiß und gutem Willen etwas erreichen kann, reicht da nicht aus. Da muss man auch überzeugen können.

Erwachsene von morgen müssen liefern

Junge Menschen wollen keine Verbote hören, von denen sie genau wissen, dass es Probleme geben kann. Aber sie brauchen Alternativen. Es wächst eine Generation nach, die die Chance hat, das besser zu machen, wozu viele Erwachsene offensichtlich nicht in der Lage sind.

Viele Ausländer in Bremerhaven

Bremerhaven hat einen hohen Anteil an Ausländern. Und damit auch einen hohen Anteil an jugendlichen Ausländern. Ein „Miteinander“ ist etwas, was man nicht bestellen kann bei Amazon oder wo auch immer. Aber man kann es lernen.

Nicht mehr Kriminelle

Aber dazu bräuchte man Vorbilder. Schulen, in denen die Lehrer die sich da mehr einbringen. Und natürlich schlussendlich das Zuhause. Die Jugend kommt nicht kriminell auf die Welt. Aber Menschen die keine Chancen haben, suchen sich andere Wege, am Leben teilzunehmen. Der Anteil der kriminellen ausländischen Jugendlichen ist nicht höher als bei den Deutschen. Nur wird eher mit dem Finger auf die Ausländer gezeigt.

Erwachsene müssen Vorbild sein

Meinungen bilden sich nicht wie Wolken am Himmel. Sondern werden einem eingehämmert durch TV, Funk und Zeitungen. Letztendlich hat unsere Jugend die Chance eben diesem Bild zu widersprechen und zu zeigen, dass sie besser als ihr Ruf ist. An uns Erwachsenen wird es liegen, ihnen den Weg aufzuzeigen.