Die Krätze macht Familien in Bremerhaven zu schaffen

Haareraufen ist zwar kein Symptom der auf dem Vormarsch befindlichen Krätze, kann aber eine Folgewirkung darstellen. Und zwar bei denen, die nur mittelbar damit zu tun haben. Beispielsweise bei Medizinern, die verzweifelt versuchen, Patienten von dem Befall zu befreien. Warum der so genannte Pingpong-Effekt ganze Familien in Bremerhaven zu Dauergästen in der Hautklinik macht, ist dabei ungeklärt.

Kinder können viele Monate lang nicht die Schule

„Wir haben zurzeit mehrmals pro Woche die Situation, dass uns Familien mit Krätze vorgestellt werden“, sagt Dr. Michael Sachse. „Dabei“, so der leitende Oberarzt der Dermatologie im Bremerhavener Klinikum Reinkenheide, „ist Krätze eigentlich etwas, das sich ambulant gut behandeln lassen sollte.“ Dennoch: Einige Familien müssten über Monate hinweg immer wieder stationär aufgenommen werden, weil die Krätzemilben sich bei ihnen eingenistet hätten. „Teilweise können Kinder viele Monate lang nicht die Schule besuchen, weil der erforderliche Nachweis darüber, dass sie nicht mehr befallen sind, einfach nicht erbracht werden kann“, so Sachse. Sie werden wieder und wieder mit Skabies, wie die Krätze auch genannt wird, infiziert.

Milben bohren sich in Haut

Doch was genau ist die Erkrankung, deren Name bereits Juckreizanfälle auszulösen vermag? Hervorgerufen, wird sie, so Sachse, von Milben, die sich auf der Haut des Menschen befinden. Sie bohren sich in die obere Schicht der Haut. Die Weibchen legen dort Gänge an und ihre Eier oder auch Kot ab. Die Immunreaktion löst den starken Juckreiz aus. „Die Betroffenen leiden wirklich unter enormem Juckreiz, der sie ganz besonders in der Nacht quält“, so Sachse.

Cremen reicht normalerweise

Weitergegeben wird die Krätze durch engen Hautkontakt, weshalb sie häufig zwischen Kindern und ihren Eltern, Partnern oder auch pflegebedürftigen Personen und ihren Betreuern übertragen wird. Und: „Normalerweise kann man Krätze durch konsequentes Cremen des gesamten Körpers und entsprechende Sanierungsmaßnahmen des häuslichen Umfeldes gut behandeln.“ Textilien waschen, Kuscheltiere luftdicht verpacken – der Aufwand, den so ein Krätzebefall mit sich bringt, ist enorm. Aber: „Da die Milben lediglich 48 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers überleben können, würde es ausreichen, die Wohnung für diesen Zeitraum zu verlassen.“

Resistenzen gegen die Medikamente

Immer häufiger jedoch gelänge es nicht, die Krätze ambulant zu besiegen, und so würden auch immer häufiger Familien stationär behandelt werden müssen. „Es gibt Familien, die bekämpfen die Erkrankung akribisch, und dennoch gelingt es nicht, weiteren Befall zu verhindern“, weiß auch Henner Naumann, Arzt beim Gesundheitsamt Bremerhaven. Ebenso wie für Sachse liegen die Ursachen für ihn im Dunklen: „Es gibt die Vermutung, dass sich Resistenzen gegen die Medikamente gebildet haben könnten. Aber darüber gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen“, sagt Naumann.