Machen Zölle und Brexit den Whisky teurer?

Von bernsteinfarben bis dunkelbraun, von rauchig bis süßlich, als Mixgetränk oder pur – Uisge Beatha ist beliebt und hat viele Fans. „Wasser des Lebens“ ist die Übersetzung für dieses gälisch-schottische Wort, heute besser bekannt als Whisky. Doch Strafzölle und Brexit führen zu Sorgenfalten bei den Fans. Sie fürchten massive Preiserhöhungen für ihr Lieblingsgetränk.

Händler in Bremerhaven und im Cuxland beruhigen die Kunden

Nicht zu unrecht: Der Bourbon-Hersteller Jack Daniel’s hat bereits Ende Juni mitgeteilt, dass er aufgrund der EU-Strafzölle für US-Produkte mit einem Preisanstieg von zehn Prozent rechne. Und der drohende Brexit treibt den schottischen Destillerien den Schweiß auf die Stirn – denn noch ist überhaupt nicht klar, wie der Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union nach dem 29. März 2019 aussehen wird. Entsprechende Verträge gibt es noch nicht, sodass es auch hier bald wieder Zölle geben könnte.
Mit Preiserhöhungen für Whisky und Whiskey rechnen auch Händler in Bremerhaven und im Cuxland – allerdings eher auf längere Sicht. Sie können besorgte Kunden durchaus beruhigen. „Wir hatten bezüglich des Bourbon vom Fass schon einige Anfragen“, berichtet Jens Lorenzen von Lorenzen Weine und Spirituosen in Bremerhaven-Lehe. Vorratskäufe habe es aber bisher noch nicht gegeben. Die seien aber auch nicht notwendig, beruhigt er: „Noch haben die europäischen Importeure genügend Vorräte.“

Bei den Fans gibt es zwei Fraktionen

Dass die Preise für Bourbon langfristig steigen, davon ist auch Lorenzen überzeugt. Doch es komme darauf an, wie stark das passiere. „Denn davon hängt ab, ob ein Produkt auch weiterhin Bestand haben kann oder ob es verschwindet.“ Grundsätzlich gebe es bei den Fans zwei Fraktionen: Die einen, die auch bereit seien mehr Geld für ein gutes Produkt zu zahlen; und die anderen, die den Bourbon für ihre Cola am Abend benötigten. „Letzteres betrifft gerade die Gastronomie. Ob sich hier Preissteigerungen bis zu 25 Prozent – so hoch ist der Strafzoll – durchsetzen lassen, ist wohl fraglich.“

Noch völlig unklar sei die Entwicklung beim Thema Brexit. „Preissteigerungen beim schottischen Whisky gibt es auf dem Weltmarkt schon seit Längerem. Das liegt daran, dass verstärkt in Russland und Asien gekauft wird“, weiß Lorenzen. Wenn das so weitergehe – und eventuell durch Zölle verstärkt werde – wisse er nicht, wer das noch bezahlen solle. Doch letztlich werde der Preis auf dem Weltmarkt gemacht.

Asiaten lieben Whisky

Die steigenden Preise auf dem Weltmarkt für schottischen Whisky bedingt durch die hohe Nachfrage in Russland und China bestätigt auch Ingo Kirchhoff, Inhaber von „Whisk(e)y and more“ aus Spaden. Wie sich der Brexit preislich auswirken könnte, sei derzeit noch reine Spekulation. „Ich habe Kontakte zu schottischen Destillerien. Und die haben kein Interesse am Brexit“, erzählt Kirchhoff.
Besorgte Kunden habe er bisher noch nicht gehabt, auch keine Vorratskäufe. „Die Importeure haben auch noch genug Ware zum alten Preis“, sagt er. Das gelte auch für den Bereich US-Whiskey, der mit dem EU-Strafzoll belegt wird. Es treffe ja vor allem die beiden bekanntesten Marken Jack Daniel‘s und Jim Beam. „Von diesen Marken haben wir hauptsächlich spezielle Produkte, die es so auf dem deutschen Markt nicht gibt“, sagt Kirchhoff. Hier müsse man schauen, was passiere.

Jacob: Preise vorerst stabil

Bourbon spielt für Lutz Jacob von „Vom Fass“ in der Bremerhavener Fußgängerzone eher eine untergeordnete Rolle. „Wir als Franchise-Nehmer haben hauptsächlich schottischen Whisky im Sortiment“, berichtet er. Aber auch hier habe er noch keine besorgten Kunden erlebt. Besorgt wegen steigender Preise aufgrund des Brexits oder anderen Strafzöllen müsse vorerst auch niemand sein. „Das Franchise-Unternehmen ,Vom Fass‘ hat eigene Lager. Für die nächsten zwei bis drei Jahre sind die Preise stabil“, schätzt er.
Jacob rechnet aber nicht damit, dass sich die Liebhaber von gutem Whisky und gutem Whiskey abschrecken lassen werden. „Die Fans lieben die Vielfalt. Gleich nach Wein ist es das Getränk, das am facettenreichsten ist“, schwärmt er. Und schließlich gebe es auch sehr gute Produkte aus anderen Ländern, beispielsweise aus Irland, Japan, der Schweiz und sogar aus Deutschland. „Aus Schwaben kommt beispielsweise guter Dinkel-Whisky“, weiß Jacob.