Mediziner kritisieren Heilpraktiker-Methoden als gefährliche Pseudowissenschaft

Unhaltbare Krankheitskonzepte und eine unangemessene Ausbildung – das wirft die Expertengruppe Münsteraner Kreis der Heilpraktikerbranche vor. Der Kreis, zu dem auch der Bremerhavener Mediziner Prof. Dr. Manfred Anlauf gehört, spricht bei den Methoden von gefährlicher Pseudowissenschaft und will „den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen“. Der Heilpraktikerberuf müsse entweder reformiert oder abgeschafft werden.

Das Problem mit dem Heilpraktikerwesen fängt für Anlauf bereits bei der Ausbildung an. „Ein Heilpraktiker muss lediglich vier Voraussetzungen erfüllen“, erläutert der 79-Jährige. „Erstens muss man mindestens 25 Jahre alt sein und zweitens einen Hauptschulabschluss haben. Drittens: Es ist ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Punkt vier ist eine zweieinhalbstündige Prüfung: eine halbe Stunde mündlich und ein zweistündiger Multiple-Choice-Test“, listet er auf. Wer diese minimalistische Prüfung bestehe, könne sich fortan staatlich zugelassener Heilpraktiker nennen. Er dürfe Diagnosen stellen und Behandlungen vornehmen, etwa auch Injektionen verabreichen und Infusionen legen. Das Etikett „staatlich anerkannt“ suggeriere den Patienten zudem, es handele sich um ein streng kontrolliertes und reglementiertes Berufsbild, bei dem es sich um eine gleichwertige Alternative zum Mediziner handele.

Arzt: Qualifikation der Heilpraktiker ist derzeit nicht gewährleistet

Zum Vergleich: Ärzte müssten in ihrem Werdegang einen Numerus clausus überwinden, ein jahrelanges Studium absolvieren sowie eine praktische Arbeit unter strenger Überwachung meistern. Stelle man diese beiden Ausbildungswege nebeneinander, „dann ist das ein Kontrast, der schwer zu ertragen ist“, findet Anlauf. „Kein Mensch würde sein Auto zu einem Mechaniker bringen, der eine vergleichbar geringe Qualifikation mitbringt“, meint Anlauf. „Aber im Gesundheitswesen ist das möglich.“ Der Münsteraner Kreis empfiehlt daher die gänzliche Abschaffung des Heilpraktikerberufs oder dessen Ablösung durch die Einführung spezialisierter Fach-Heilpraktiker. aus Sicht des Vereins Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH) ist das Münsteraner Memorandum eine undifferenzierte und einseitige Generalkritik am Heilpraktiker-Beruf.