Mit Qualitätsarbeit behaupten sich Fotografen gegen die digitale Bilderflut

Alle Jahre wieder die gleiche Frage: Wer bekommt welches Geschenk? Ein Evergreen unter dem Tannenbaum: Fotografien von den Liebsten für die Liebsten. Also greift im Digitalzeitalter so manch einer zur Kamera oder gar zum Smartphone und drückt ab. Doch der Schuss ist nicht selten einer ins Blaue. Zumindest, wenn man Wert auf Qualität legt. Und die vermuten – Digitalisierung hin, Selfies her – wieder mehr Menschen hinter den Türen der Fotostudios.

„Im Idealfall hat der Fotograf eine eigene Bildsprache“

So zumindest die Beobachtung von Martina Buchholz. Die Fotografin betreibt ihr Fotodesign-Studio seit 18 Jahren. Die Bandbreite dessen, was sie auf Foto-Papier bannt, ist riesig: vom Familien- bis zu Produktaufnahmen, von Industrie- bis zu Hochzeitsfotografien. Und während die Fotos von Kussmund-Selfies wie Pilze aus dem Boden schießen, macht sich die Fotografin wie viele Kollegen Gedanken darüber, wie sich die Wünsche der Kunden optimal umsetzen, ihre Persönlichkeit fotografisch abbilden lassen: „Im Idealfall hat der Fotograf eine eigene Bildsprache, mit der er Gedanken Ausdruck verleiht.“

Klasse statt Masse

Wie ihre Kollegin Katja Fahnenschmidt von Flashlight Fotostudio kennt Martina Buchholz den Zeitgeist, einfach mal draufloszuknipsen: „Aber mal ehrlich, kein Mensch braucht 110 Fotos. Was letzten Endes wirklich zählt, sind einige richtig gut gemachte Bilder“, fasst Katja Fahnenschmidt zusammen. „Bilder, die nachhaltig sind. Die auch dann noch gerne betrachtet werden, wenn derjenige, der darauf zu sehen ist, schon längst nicht mehr da ist“, sagt auch Martina Buchholz. Für ein solches Resultat setzen Profis ihr Know-how und auch jede Menge Technik ein. Zwei Softboxen umrahmen beispielsweise das Porträtstudio bei Foto Cario in der Alten Bürger. Diverse Lichtquellen zaubern unterschiedliche Effekte. Glanz aufs Haar gefällig? Heiko Sandelmann schaltet das Kopflicht ein. Er ist der Meister des Lichts. Je nachdem, welches Spiel von Licht und Schatten einen Menschen besonders gut abbildet, bringt er Hintergründe, Reflektoren, Farbfolien zum Einsatz.

Die Individualität des Kunden zählt

Der Fotograf hat das traditionsreiche Unternehmen im Jahr 2002 übernommen. Seitdem betreibt er es gemeinsam mit seinem Kollegen Rainer Braun. Wenn Braun fotografiert, tritt er in einen ganz eigenen Dialog mit seinen Kunden: „Es geht von Anfang an darum, sich auf das Gegenüber einzulassen, um möglichst exakt herauszufiltern, wer ist der Mensch vor der Kamera, und was möchte er auf dem Bild transportieren?“, beschreibt Braun den Vorgang, der letzten Endes in einem auf Fotopapier gebannten Charakter mündet. „Dazu braucht es vor allem eines: Fingerspitzengefühl.“ Ein zwischenmenschlicher Kontakt führe im besten Fall dazu, dass sich während des Shootings eine vertrauensvolle Eigendynamik entwickele, die möglichst viel von der Individualität des Kunden fotografierbar mache. „Ein Herantasten quasi“, so Braun.