Präventionsaktion gestartet: Persönliche Begegnungen sollen Antisemitismus abbauen

Einen „Reichsbürger“ kann man kaum überzeugen. „Aber die meisten Menschen haben den Anspruch, das, was sie meinen, auch begründen zu können“, sagte Prof. Micha Brumlik. Der Erziehungswissenschaftler referierte zum Auftakt der Präventionsaktion mit dem provokanten Titel „Leih Dir einen Juden“. Mit der Aktion will die jüdische Menorah-Gemeinde antisemitischen Klischees begegnen.

Dass es an Zeit ist, wieder über Antisemitismus zu sprechen, darüber waren sich die Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion im Deutschen Auswandererhaus einig. Brumlik erinnerte daran, dass der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland den Nationalsozialismus als historischen „Vogelschiss“ verharmlost habe. Gleichzeitig gebe es auf offener Straße Angriffe auf Männer, die eine Kippa, eine bei männlichen Juden übliche Kopfbedeckung, tragen. Es sei Aufgabe von Bildung, das Wissen über die Geschichte der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam bei den Schülern zu verankern.

Initiatoren möchten durch den provokanten Titel ins Gespräch kommen

Einen Bildungsansatz verfolgt auch die Menorah-Gemeinde mit ihrer Präventionsaktion. „Wir wollten mit dem Titel etwas provozieren, aber auch ein Schmunzeln hervorrufen, um gerade mit jungen Leuten in Kommunikation zu treten“, erläuterte der Vorsitzende Mircea Ionescu. Wer Interesse an dem Besuch eines Gemeindemitglieds hat, kann per E-Mail (menorah.gemeinde@gmx.de) oder per Post (Postfach 120111, 27515 Bremerhaven) Kontakt aufnehmen.

Wie die Diskussionsteilnehmer im Auswandererhaus das Thema Antisemitismus in Deutschland einschätzen, lesen Sie morgen im SONNTAGSjOURNAL der NORDSEE-ZEITUNG.