Richer und Hamburg bauen jetzt auf die Crocodiles

Sechs Jahre war Stéphane Richer für die sportliche Leitung der Hamburg Freezers verantwortlich. Seit Ende Mai ist die Profi-Eishockeymannschaft Geschichte. Nun widmet sich der Kanadier der Nachwuchsarbeit der Crocodiles Hamburg.

Richer leistet jetzt Basisarbeit bei den Crocodiles

Oberliga statt DEL, Nachwuchs statt Profis – Stéphane Richer hat sich der Basisarbeit verschrieben. Der ehemalige Sportdirektor der Hamburg Freezers ist seit September als Nachwuchskoordinator für den Eishockey-Verein Crocodiles Hamburg tätig. „Es ist mir sehr wichtig, dass Eishockey in Hamburg weiterlebt“, erklärt der 50-Jährige. „Die Nachwuchstalente sollen in dieser Stadt weiterhin eine Zukunft haben“, fügt er hinzu.

Das plötzliche Aus der Hamburg Freezers nagt immer noch am ehemaligen sportlichen Leiter

Der Kanadier hat das Aus der Hamburg Freezers noch immer nicht ganz verdaut. Zumal alles so plötzlich kam: Am 18. Mai gab der Eigentümer Anschutz Entertainment Group überraschend bekannt, keine Lizenz für die Saison 2016/2017 zu beantragen. Dem Erstligisten blieb nur eine knappe Woche Zeit, um einen Käufer zu finden. Die Bemühungen misslangen. Obwohl die Freezers dank einer Rettungsaktion rund 1,2 Millionen Euro zusammenbekamen, meldete der Eigentümer das Team ab.

Richer hätte sich eine frühere Info von Anschutz gewünscht

„Ich kann zwar verstehen, dass Anschutz mit den Freezers keine weiteren Verluste machen wollte. Aber ich werde nie verstehen, dass das Aus so kurzfristig und ohne Vorwarnung verkündet wurde“, sagt Richer. Er hätte sich gewünscht, dass der Eigentümer seine Entscheidung einige Monate früher bekanntgegeben hätte. „Dann hätten wir vielleicht die Chance gehabt, einen neuen Käufer zu finden. So standen die Mitarbeiter und Spieler plötzlich vor dem Nichts.“

Jetzt stehen die Hamburg Crocodiles im Mittelpunkt – und die gehören zu den Top-Mannschaften der Oberliga Nord

Das Aus der Freezers hat das Interesse an den Crocodiles Hamburg steigen lassen. Als sich der ehemalige Freezers-Kapitän Christoph Schubert dem Team anschloss, rückte der Oberligist in den Fokus der Medien und der Fans. Rund 1800 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Heimspielen. Der Etat konnte von 200.000 auf mehr als 400.000 Euro verdoppelt werden. Die Crocodiles zählen zu den Top-Mannschaften der Oberliga Nord, aktuell stehen sie auf Tabellenplatz fünf. In Bradley McGowan haben sie den derzeit besten Stürmer der Liga im Kader.

Thema Aufstieg in die DEL 2: Richer warnt bei den Crocodiles vor zu hohen Erwartungen

Selbst ein Aufstieg in die DEL 2 scheint möglich. Doch Richer warnt vor zu hohen Erwartungen: „Der Verein muss erst einmal wachsen. Man muss Schritt für Schritt mehr Profis einbauen. Die Top-Vereine in der Oberliga bestehen fast nur aus Profis“, gibt er zu bedenken. Die Crocodiles hingegen haben lediglich fünf Profis. Dass der Kader künftig mit vielen Talenten aus der eigenen Jugend verstärkt wird, ist Richers Zielsetzung. Der Nachwuchskoordinator arbeitet dabei eng mit den Trainern zusammen: „Wichtig ist, dass unser Nachwuchs viel Eiszeit bekommt. Das ist leider schwer umzusetzen.“

Der Nachwuchskoordinator der Crocodiles arbeitet auch für die Los Angeles Kings

Überhaupt hat Richer einen vollen Terminkalender. Der ehemalige Profi ist nicht nur CH-Nachwuchskoordinator, sondern auch Scout für den zweimaligen NHL-Champions Los Angeles Kings. Die aktuelle Situation betrachtet er als Übergangslösung. Der dreifache Familienvater wohnt nicht zuletzt wegen seiner Familie weiter bei Hamburg. „Nächstes Jahr entscheide ich, wie es weitergeht.“ Sollten die Crocodiles wirklich aufsteigen, wäre ein längerer Verbleib beim Club nicht unrealistisch. (dpa)