Schreiben als Therapie: Legasthenikerin erstellt Comics

Legastheniker haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Das gilt auch für Stephanie Liewald. Aber sie hat einen Weg gefunden, sich ihren Problemen zu stellen und nicht davor davonzulaufen. Sie verfasst Comics, für die sie sowohl die Zeichnungen als auch die Texte selbst produziert.

In ihrer Grundschulzeit sei ihre Lese- und Rechtschreibstörung nicht als Krankheit anerkannt worden. „Ich wurde deswegen immer gehänselt“, erinnert sie sich. Als Hobby habe sie 2008 angefangen, eine Fortsetzung der Serie „Hellboy“ zu zeichnen. Damals kam gereade „Hellboy 2“ in den Kinos raus, erinnert sie sich. „Ich habe mir dann ein Diktierprogramm für den Rechner gekauft“, sagt sie. 2010 habe sie ihre erste eigene Geschichte mit dem Titel „Gottes Beitrag und Teufels Werk“ an verschiedene Verlage geschickt. „Aber leider nie eine Antwort erhalten“, sagt sie.

Fasziniert von Manga-Zeichnungen

Dann habe sie bei den Elbe-Weser-Werkstätten angefangen. „Und das war ein Wendepunkt in meinem Leben“, sagt sie. Ihre Arbeitskollegen haben sie damals motiviert, zu schreiben. Und eine Kollegin habe ihr auch die Welt der Mangas gezeigt. Mit ihr sei sie zum Teibo-
Animex-Treffen im Haus der Jugend gewesen. „Das hat mich sehr beeindruckt. Ich war fasziniert von den Zeichnungen“, sagt sie. Und als sie 2016 mit dem Zeichnen eigener Geschichten anfing, seien die Mangas dort mit eingeflossen. Korrektur lesen könne sie ihre eigenen Hefte wegen der Legasthenie natürlich auch nicht. „Da helfen mir Freunde und Bekannte“, sagt sie.

Eigenes Leben im Comic verarbeitet

„Für mich ist das Schreiben ein gutes Training“, sagt sie. „Und durch das Zeichnen finde ich mich selber wieder.“ Ihre Therapeutin habe ihr geraten, offensiv mit ihrem Problem umzugehen. „Und genau das tue ich auch“, betont sie. „Ich gebe das auch gern so weiter und möchte anderen Mut machen, sich ebenfalls etwas zuzutrauen.“ Inhaltlich lassen sich einige Parallelen zu ihrer eigenen Lebensgeschichte finden: Die Protagonistin heißt Steffi, hat ebenfalls Probleme mit ihrer Familie und ist auf der Suche nach sich selbst. „Mein Leben spielt da schon mit rein, meint sie.  In ihren Comics nimmt Liewald auch direkt Bezug auf Bremerhaven. So spielen einige Szenen in einer Gartenanlage in Surheide,. Dort gibt es beispielsweise eine Parzelle, die sie selbst gern gehabt hätte. Diese hat sie in ihrem Comic so gezeichnet, wie sie sie am liebsten hergerichtet hätte.