Seelsorger helfen auf dem letzten Weg

Nirgends liegen Leben und Sterben so dicht beieinander wie im Krankenhaus. Während in einem Raum ein Mensch zum ersten Mal das Licht erblickt, schließen sich in einem anderen die Augen eines Menschen womöglich für immer. Besonders während des letzten Abschnittes geben die Seelsorger in den Kliniken Sterbenden und Angehörigen Halt. Egal, welcher Konfession sie angehören.

Trauerarbeit ist unterschiedlich

Abschiedsschmerz wird in den verschiedenen Kulturen völlig unterschiedlich gelebt, weiß Claudia Hutter-Dosdal. Sie ist katholische Seelsorgerin und Pastoralreferentin im Klinikum Reinkenheide. Sie erlebt Sterbende und deren Angehörige in den letzten Momenten des Lebens und kurz nachdem der Tod sich eingestellt hat. „Viele Muslime trauern mit lauten Trauerklagen“, berichtet sie. Die meisten Christen  lebten eher das Prinzip „in stiller Trauer“. „Beides darf sein. Wir versuchen, den jeweiligen Bedürfnissen den erforderlichen Raum zu geben, herauszufinden, was gebraucht wird.“ Und das ist so individuell wie die Menschen selber. Sowohl Katholiken als auch evangelische Christen möchten als Ritual zuweilen eine Kranken-Salbung.  „Unsere Gesellschaft ist insgesamt Ritual-entwöhnt. Aber Rituale geben den Menschen Sicherheit“, sagt  Martin von der Brelje, evangelischer Seelsorger des Klinikums Reinkenheide.

Keine Palliativ-Station in Reinkenheide

Anders als im Ameos-Klinikum Mitte gibt es im Klinikum Reinkenheide keine Palliativ-Station, also keine eigene Station für Menschen in der allerletzten Lebensphase. „In manchen Fällen ist es vielleicht auch gar nicht sinnvoll, die Kranken aus den gewohnten Stationen von dem vertrauten Pflegepersonal wegzuholen und noch einmal auf eine andere Station zu legen“, findet von der Brelje. Im Klinikum verbringen die Menschen ihre letzten Stunden auf den jeweiligen für ihre Erkrankung spezifischen Fachstationen. „Maßgeblich ist immer, was sich der Betroffene wünscht. Möchte er nach Hause? Wen möchte er an seiner Seite haben? Wir bieten seit 15 Jahren entsprechende Fortbildungen für die Mitarbeiter im Krankenhaus an“, erzählt von der Brelje. „Auf den Stationen wird alles versucht, um den Bedürfnissen gerecht zu werden.“ Auf der Frauenstation gibt es  bereits ein speziell agierendes Palliativ-Team.

Auf emotionale Bedürfnisse eingehen

Im Ameos-Klinikum Mitte existiert eine eigene Abteilung, auf der Menschen palliativ behandelt werden. Hier kümmert sich unter anderem die Krankenhaus-Seelsorgerin Hanna Hagedorn um die emotionalen Bedürfnisse der Todkranken und deren Angehöriger. „Viele Menschen sind dankbar, wenn jemand in Momenten, die sprachlos machen, Worte findet“, ist Hagedorns Erfahrung dabei. Sie hört zu, wenn jemand sich seinen Kummer, seine Ängste von der Seele reden muss. Und auch sie bietet Rituale für den Abschied an.  Die Chefärztin der Palliativstation, Corinna Gott,  weiß sie um die stark entlastende Wirkung, die der Aufenthalt Todkranker auf der Palliativ-Station für die Angehörigen hat: „Alles, was beim Thema Sterben und Tod Angst macht, kann hier offen ausgesprochen werden und die Kranken sind rundum versorgt. Das hilft dabei, die Situation anzunehmen.“