„Spiralenhaus“ der Stäwog schafft barrierefreien Wohnraum

Ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus, Baujahr 1954, mit Hilfe von Rampen barrierefrei erschließen? Es gab Fachleute, die das zunächst für eine ziemlich abgedrehte Idee hielten. Doch die Planer der Städtischen Wohnungsgesellschaft (Stäwog) setzten das Vorhaben in den Jahren 2016 und 2017 um. Inzwischen sorgt ihr „Spiralenhaus“ an der Ringstraße in Wulsdorf bundesweit für Aufmerksamkeit.

Abreißen ist nicht wirtschaftlich

Der Klimawandel und die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum seien zwei ganz große Themen der Wohnungswirtschaft, sagt Stäwog-Geschäftsführer Sieghard Lückehe. „Allerdings ist der Großteil der Städte ja gebaut“, gibt er zu bedenken. Man könne allein aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht alles abreißen und neu bauen. „Es ist außerdem oft enorme Ressourcenverschwendung, Häuser zu schreddern und als Autobahnunterbau zu verwenden“, meint Stäwog-Architekt Hans-Joachim Ewert.

Nutzung der Bestandsgebäude

„Bezahlbaren Wohnraum können wir nur über die Nutzung des Bestandes gewährleisten“, sagt Ewert. Auch bei der Sanierung alter Gebäude stellt sich daher die Frage nach den Kosten. Denn diese wirken sich letztlich auf die Miete aus. Weil moderne Hightech-Aufzüge teuer und anfällig seien, entwickelte Ewert das ungewöhnliche Konzept, das 55 Meter breite Mehrfamilienhaus an der Ringstraße mit stählernen Rampen an der Rückseite zu erschließen. Die Rampen verfügen alle paar Meter über kleine Podeste, damit ein Rollstuhlfahrer bei der Auffahrt pausieren kann.

Kontakt zwischen Mietern erleichtern

Die Konstruktion aus Lärchenholz, Stahl und Glas schafft zudem überdachte Wege zwischen den Wohnungen und soll so soziale Barrieren abbauen und den Kontakt zwischen den Mietern erleichtern. „Wir haben hier eine große kulturelle Vielfalt im Quartier“, sagt Lückehe, „und machen auch viel soziales Management.“ Die Sanierung des „Spiralenhauses“, das einmal im Rahmen des Barackenräumprogrammes nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden war, fügt sich ein in weitere Modernisierungen im Umfeld. Einsetzen konnte die Stäwog Fördergelder aus dem Programm „Soziale Stadt“. Hinter dem „Spiralenhaus“ fließen Biwaq-Fördermittel („Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“) in ein vom Förderwerk betriebenes Gartenprojekt.

Neues Modell als Prototyp

Das „Spiralenhaus“ bildet für die Stäwog einen Prototypen. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir das Modell auch an anderer Stelle umsetzen“, sagt Lückehe. Eher ein Muster für die weitere barrierefreie Erschließung von Häusern stellen verglaste Laubengänge dar. Zum ersten Mal zum Einsatz kamen neue Verglasungen bei der Sanierung einer Wohnanlage an der Kransburger Straße (Speckenbüttel). An der Schillerstraße und an der Neuelandstraße schuf die Stäwog komplett neue Laubengänge. „Auf diese Weise können wir zahlreiche Wohnungen mit wenigen Fahrstühlen erschließen“, berichtet Lückehe.