Versandhandel macht Apotheken zu schaffen

Kopfschmerzen? Durchfall? Halsschmerzen? Ein Klick im Netz und das gewünschte Medikament ist auf dem Weg direkt zum Patienten. Unter Umständen sogar zum Rabatt-Tarif. Den Service von Online-Apotheken gibt es jedoch nur mit erheblichen Nebenwirkungen – so die Position der Apothekerkammer Bremen. Eine Tatsache, die Erika und Klaus-Peter Miéville tagtäglich in ihrer „Rosen-Apotheke“ in Bremerhaven bestätigt sehen.

Die Wechselwirkungen im Blick

Alltag in der Apotheke: Eine ältere Dame verlangt Aspirin Complex. Miéville schüttelt den Kopf. „Generell ist das ein sehr wirksames Medikament, aber Sie nehmen doch auch ein Mittel gegen Bluthochdruck.“ Die Kundin nickt. „Das verträgt sich nicht miteinander“, sagt der 59-Jährige und empfiehlt ihr ein Alternativ-Medikament. „Wechselwirkungshinweise finden sich auch auf dem Beipackzettel“, so der Apotheker. Aber die lese nicht jeder.

Apotheken leisten Gemeinwohlaufgaben

Individuelle Beratung der einzelnen Kunden, Rückkopplung zu den behandelnden Ärzten – Argumente, die auch Dr. Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen bei der Frage „Versandhandelsapotheken versus öffentliche Apotheken“ ins Feld führt. „Öffentliche Apotheken leisten, anders als Versandapotheken, zahlreiche Gemeinwohlaufgaben: Nacht- und Notdienst, Anfertigung von Individualrezepturen, Abgabe kühlkettenpflichtiger Arzneimittel und Betäubungsmittel und bei Bedarf Botendienst direkt ans Krankenbett“, sagt Isabel Justus.

Ausländische Online-Apotheken bieten Rabatte

Nach einem Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums ist fast jede zweite öffentliche Apotheke in ihrem Bestand gefährdet.  Als eine Bedrohung sehen Pharmazeuten in Versandapotheken aus dem Ausland. Im Herbst 2016 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Versender aus dem Ausland ihren Kunden Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren dürfen. Heimische Apotheken müssen sich jedoch an die Preisbindung für solche Medikamente halten. Eine Ungleichbehandlung, die von Apothekerverbänden heftig kritisiert wird.