Awo-Mitarbeiter entwickeln effektivere Pflegedokumentation

Eine Bewohnerin möchte auf die Toilette, ihr Tischnachbar hat sich verschluckt, und die Pflegedokumentation muss auch noch gemacht werden – Arbeitsalltag in der Pflege. Viele Mitarbeiter schimpfen auf den Schreibaufwand, weil sie ihre Zeit lieber den Menschen widmen würden. Es geht aber auch einfacher: mit einer schlankeren Doku.

Nicht nur jammern, sondern etwas verbessern

Stephan Ahrens und Anna Bartels wollten nicht nur jammern, sondern etwas verbessern. Deshalb haben sie sich das Programm für die Pflegedokumentation einmal genauer angeschaut. Dann haben sie eine Methode entwickelt, mit der man das System effektiver handhaben kann. Rund ein bis zwei Wochen habe das Ganze gedauert, berichten beide. Den nötigen Freiraum für dieses Projekt haben sie von ihrem Arbeitgeber erhalten. Beide sind bei der Bremerhavener Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Villa Schocken beschäftigt. Anna Bartels ist dort stellvertretende Pflegedienstleitung, Stephan Ahrens Pflegefachkraft. „Wir nutzen immer noch das gleiche Programm. Aber wir haben es jetzt in seiner ganzen Fülle ausgeschöpft“, sagt Stephan Ahrens. Vorher habe man höchsten zehn Prozent der Möglichkeiten wahrgenommen – so, wie es in vielen anderen Pflegeheimen vermutlich immer noch praktiziert werde.

Pflegedokumentation: Hilfe durch feste Textblöcke

Die Software noch intensiver einsetzen und dadurch den Aufwand entschlacken – was zunächst wie ein Widerspruch klingt, spart in der Villa Schocken mittlerweile viel Zeit. Vieles, was Mitarbeiter früher jedesmal neu verfasst und ins Programm eingegeben haben, wird nun als vorangelegte Textpassage automatisch angezeigt. Diese Formulierungshilfen können dann nicht nur individuell angepasst werden, sie sind zudem auch gleich den richtigen Themenfeldern zugeordnet. Der Wildwuchs wird eingedämmt, alles hat mehr Struktur. „Was vorher zwei Stunden in Anspruch genommen hat, dauert nur noch eine“, überschlagen Bartels und Ahrens die Zeitersparnis. Wohlgemerkt: Was die beiden entwickelt haben, bezieht sich lediglich auf den Teil der Dokumentation, der ansteht, wenn ein neuer Bewohner ins Haus kommt. Maßnahmenplanung nennt sich dies, viele aus der Branche kennen diesen Part auch unter dem Begriff Pflegeplanung. Vereinfacht gesagt, könnte man es als Aufnahmeformular bezeichnen, das alles enthält, was bei der Pflege der betreffenden Person von Bedeutung ist.

Nützlich bei Kurzzeitpflege

Eine einmalige Sache pro Bewohner also, könnte man meinen. Für Einrichtungen, die viele Pflegebedürftige in der Kurzzeitpflege und somit einen häufigeren Wechsel bei den Bewohnern haben, kann diese Aufgabe dennoch viel Zeit kosten. Dies ist in der Villa Schocken der Fall. „Wir haben teilweise zwei Neuzugänge pro Tag“, sagt Anna Bartels.
Die von ihr und Stephan Ahrens verschlankte Maßnahmenplanung ist außerdem die Basis für die anschließende, tägliche Dokumentation. Diese sei allerdings ohnehin seit Längerem nicht mehr so aufwendig, betont der Midlumer. Dafür sorge das Strukturmodell, das Pflegeeinrichtungen mittlerweile nutzen könnten. Statt jede Handlung einzeln aufzuführen oder zumindest abzuhaken, müsse hierbei lediglich das vermerkt werden, was vom Normalen abweiche. „Wenn ein Bewohner jeden Tag ein Brötchen zum Frühstück isst, muss es nicht extra erwähnt werden“, erklärt er. Durch diese Vereinfachung sei der Aufwand für die tägliche Dokumentation bereits um etwa ein Drittel reduziert worden, schätzen seine Kollegin und er.