Wenn der Traum vom Tattoo zum leidvollen Albtraum wird

„Bye, bye Arschgeweih. Ich geb’ dich zum Lasern frei“, sang Ina Müller so manchem abgeschworenen Tattoo-Freund aus dem Herzen. Was in den 90er-Jahren als absolut angesagt galt, erzeugt heute häufig nichts weiter als das schale Gefühl eines völlig überholten Trends.

Arno Neumann setzt den Laser an

Doch anders als ein aus der Mode gekommenes Kleidungsstück legt man ein unliebsam gewordenes Tattoo nicht einfach so ab. Zeit, Geld, Geduld und ein beachtliches Maß Leidensfähigkeit kostet es, wenn Arno Neumann den Laser ansetzt, um die Körperbemalung zu verbannen.

Der Name „farblos“ ist Programm

Tattoos sind beliebter denn je. Immer mehr Menschen führt der Weg nach dem Tattoo-Studio jedoch irgendwann zu Studios wie dem von Arno und Tina Neumann. Der Name „farblos“ ist Programm. Wenngleich die Kunden nicht immer eine komplette Entfernung ihrer Körperbemalung, sondern manchmal auch nur bestimmter Partien wünschen. Damit ein neues Motiv gestochen werden, ein neues Tattoo ein altes überdecken kann. Cover-up heißt das im Fach-Jargon.

Leidensdruck groß

Manchmal jedoch ist der Leidensdruck, der vom Tattoo ausgelöst wird, so groß, dass es komplett verschwinden soll. Analog beispielsweise zu dem ehemaligen Liebespartner, dessen Namenszug auf dem Oberschenkel von der verflossenen Liebe zeugt. „Irgendwann will dann vielleicht Florian nicht mehr ständig auf Paul schauen, dessen Name in die Haut der Liebsten eintätowiert wurde“, beschreibt Arno Neumann so ein Szenario.

Schmerzhafte Prozedur

„Manchmal passt das Tattoo aber auch einfach nicht mehr zum Lebensstil oder in das berufliche Umfeld“, ergänzt Tina Neumann. Oder wie bei so manchem „Arschgeweih“ nicht mehr zum modischen Understatement. „In solchen Situationen wollen die Kunden nur noch eines: Dass das Tattoo verschwindet“, sagt die 44-Jährige.

Lasern ist intensiver als das Tätowieren

Der Weg zum Ziel ist kein Spaziergang: „Oft sind die Schmerzen durch das Lasern intensiver als die beim Tätowieren“, beschreibt Tina Neumann die Situation. „Während mein Mann lasert, versuche ich dem Kunden Halt und Ansprache zu geben. Mit ihm zusammen durch die Schmerzen zu gehen.“ Und das mehrere Sitzungen hindurch: „Wie lange es genau dauert, bis das Ziel erreicht ist, kann niemand vorher sagen. Das hängt davon ab, welche Farbe verwandt wurde und wie lange der Körper benötigt, die Farben abzubauen. Das ist sehr individuell“, sagt Arno Neumann.

Laser erhitzt die Farbpigmente

Bei der Tätowierung werden millimeterkleine Farbpigmente in die Unterhaut eingebracht, so dass ein dauerhaftes Muster auf der Haut erkennbar ist“, beschreibt der 45-Jährige die Prozedur. „Der Laser erhitzt diese Farbpigmente und bewirkt deren Auflösung. Über das körpereigene Lymphsystem werden die zerstörten Farbpigmente schließlich zersetzt und abtransportiert.“ Professionelle Tätowierungen seien in der Regel nach acht bis zwölf Behandlungen entfernt. „Zwischen den einzelnen Sitzungen liegen so rund vier bis sechs Wochen“, sagt Arno Neumann. „Der Kunde muss unbedingt gesund sein, weil das Immunsystem durch das Lasern stark gefordert wird.“

Krankenpfleger und Krankenschwester am Werk

Die medizinischen Aspekte der Tattooentfernung im Auge zu behalten ist den Neumanns ein besonderes Anliegen. Vom Anamnese-Bogen bis zur Nachsorge. „Mein Mann ist ausgebildeter Krankenpfleger, ich bin Krankenschwester“, sagt Tina Neumann und zeigt auf die Qualifikations-Zertifikate ihres Mannes an der Wand des Behandlungsraumes: „Wir arbeiten professionell. Das ist uns wichtig, damit das Ergebnis stimmt.“

Pfusch beim Tätowieren

Anders also als das, was ihnen auf den Hautflächen so mancher Kunden begegnet: „Es ist erschreckend, wie sehr beim Tätowieren gepfuscht wird. Da wird dann beispielsweise mit stumpfen Nadeln gearbeitet, die die Farbe eher in die Haut ritzen als zu spritzen. Vernarbungen sind da nicht selten“, berichtet Tina Neumann aus ihren Erfahrungen.
Weniger Pfusch als viel mehr eine veränderte Lebenssituation hat Antje Schmidt* dazu bewegt, sich von ihrem Tattoo, den Initialen ihres damaligen Partners, zu verabschieden. „Als ich das Tattoo stechen ließ, war ich überzeugt davon, das Richtige zu tun“, sagt sie rückblickend. Ganz verschwunden ist die Körperbemalung noch nicht: „Man braucht schon Geduld. Aber die Schmerzen beim Lasern lassen sich aushalten. Und die Neumanns sind sehr bemüht, einem das Ganze zu erleichtern.“