Wenn der Vater Selbstmord begeht

Saskia Jungnikl steht gerade in einem Coffeeshop, als ihre Welt zusammenbricht. Das Handy klingelt. „Papa ist tot. Er hat sich erschossen“, sagt ihre Mutter mit zittriger Stimme. Neun Jahre ist das her. Den Suizid ihres Vaters hat die Österreicherin vor allem über das Schreiben verarbeitet. Am 11. Oktober liest sie um 18 Uhr  in der Bremerhavener Stadtbibliothek aus ihrem Buch „Papa hat sich erschossen“.

Selbstmord durch Schuss in den Hinterkopf

Am 6. Juli 2008 holt Erhard Jungnikl seinen Revolver aus der Bibliothek. Er verlässt das Haus und legt sich unter einen alten großen Nussbaum auf dem Hof. Dann schießt er sich in den Hinterkopf. Sein Gesicht bleibt erhalten, dafür hat er gesorgt. Unter seinen Sachen findet seine Tochter Saskia Jungnikl später eine Menge Zeichnungen und Unterlagen über Kopfschüsse: Wo ist die beste Einschussstelle? Wie ist man sofort tot, entstellt aber nicht sein Gesicht?

Zeitungsartikel löst eine Lawine an Reaktionen aus

„Sein Tod teilt mein Leben in ein Vorher und ein Nachher“, schreibt Saskia Jungnikl in einem Artikel, der im März 2013 in einer österreichischen Zeitung erscheint. Ihr Artikel löste eine Lawine aus. Jungnikl erhielt zahllose Reaktionen. Viele schienen nur darauf gewartet zu haben, über das Thema Suizid, über dem sonst ein Mantel des Schweigens liegt, zu sprechen.

Buch eröffnet Lesern eine alternative Sichtweise

Es waren aber auch Betroffene dabei, die selbst mit dem Gedanken an den eigenen Freitod spielten. Ihr Buch, das sie vor allem wegen der vielen Reaktionen auf ihren Artikel schrieb, habe einigen Lesern beispielsweise eine alternative Sichtweise ermöglicht. Manche hätten sich Hilfe geholt oder sogar eine Therapie angefangen. „Und das sind doch schöne Nachrichten“, findet die junge Schriftstellerin. Anmeldungen zu der Lesung sind bis Montag, 9. Oktober, unter Tel. 0471/5902555 oder Tel. 0471/1821726 möglich.