Will der Patient weiterleben? Ethik-Komitees beraten in Krankenhäusern

Patienten zwischen Leben und Tod – die moderne Medizin kann ihr Leben verlängern. Manchmal zum Segen, manchmal aber auch zum Fluch für die Beteiligten. Was also tun, wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann und keine Patientenverfügung vorliegt?

Seit mehreren Monaten auf der Intensiv-Station

„Stellen Sie sich vor, ein älterer Patient liegt seit mehreren Monaten auf der Intensiv-Station, wurde wiederholt operiert, kann sich nicht äußern und die Wahrscheinlichkeit, dass er jemals wieder ein selbstbestimmtes Leben führen kann, tendiert gen null“, skizziert Dr. Hans Jörg Baumann, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Beatmungsmedizin des Bremerhavener Ameos-Klinikums am Bürgerpark einen typischen Fall für ein sogenanntes Klinisches Ethik-Komitee (Kek). „Generell gilt es natürlich immer, Leben zu erhalten. In manchen Fällen jedoch, stellt sich die Frage, ob der Betroffene das so wirklich wollen würde.“

Die letzte Entscheidung trifft der Arzt

„Das Votum des Ethik-Komitees hat beratenden Charakter, die letzte Entscheidung liegt nach wie vor beim letzten verantwortlich behandelnden Arzt“, sagt Baumann, Vorsitzender des Ameos-Ethik-Komitees, das nunmehr standortübergreifend in Bremerhaven und Debstedt agiert.  Das Kek der Ameos-Kliniken besteht derzeit aus 15 Mitgliedern: aus Pflegepersonal, Medizinern, einem externen Juristen, der Geschäftsführung und der Seelsorgerin der Ameos-Kliniken, Hanna Hagedorn. Die evangelische Theologin hat ein unmissverständliches Kriterium für ihr Votum in den für das Komitee relevanten Fällen: „Die Würde des Menschen“, sagt Hagedorn. „Es geht immer darum, herauszufinden, was wäre der Willen desjenigen, der sich im aktuellen Fall nicht äußern kann. Nicht um den Willen der Angehörigen, der Mediziner oder sonst wem, sondern immer um den des Betroffenen selbst.“

Reinkenheide hat Komitee seit 2005

„Um Entscheidungen zu treffen, müssen immer zwei Komponenten gegeben sein: eine medizinische Indikation und die Einwilligung desjenigen, um den es geht. Fehlt das eine oder das andere, haben wir einen Fall für das Kek“, beschreibt ihr Kollege, Martin von der Brelje. Von der Brelje ist als Krankenhaus-Seelsorger des Klinikums Reinkenheide stellvertretender Vorsitzender des Ethik-Komitees im Klinikum Reinkenheide. Dieses gibt es seit 2005. „Neben den einzelnen Fallbesprechungen geht es generell auch darum, alle am Klinik-Alltag Mitwirkenden generell für ethische Fragestellungen zu sensibilisieren“, so von der Brelje.