WM in Russland: Bremerhavener mit russischen Wurzeln fiebern doppelt mit

Wenn um 17 Uhr die Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Russland und Saudi-Arabien angepfiffen wird, dann sitzen viele Bremerhavener mit russischen Wurzeln vor dem Fernseher. Weil sie hier leben, erhält auch das deutsche Team Sympathiepunkte – zumal viele ihm bessere Chancen ausrechnen.

Auf dem Grill liegt Schaschlik

Was isst der russische Fußballfan? Bei Max Stepanov landet am Fußballabend ein in Russland beliebtes Fleischgericht auf dem Grill: georgisches Schaschlik. Der gebürtige Kasache arbeitet im Fischereihafen als Qualitätsmanager bei „Sandor Seafood“. Er ist gelernter Koch. Sein Schaschlik besteht aus Schwein- oder Lammstücken, gewürzt mit Salz und Pfeffer, dazu Tomaten und Zwiebeln. Der Clou ist die Essig-basierte Marinade. „Da hat jeder sein eigenes Rezept“, erklärt er. „Dazu Baltica-Bier, das wäre ein klassisches Grillen mit russischen Freunden“, erklärt er.

Urlaub mit WM-Spiel verbinden

Viktor Wil ist Inhaber des Reisebüros „Saraton“ in Leherheide und bucht Reisen in die ganze Welt. In diesem Sommer verbinden einige ihren Urlaub in der alten Heimat mit Fußball: „Wir haben viele Kunden, die mit Schiff und Auto hinfahren, denen wir Visa besorgen. Davon wollten einige ein WM-Spiel angucken“, schildert Wil. Überrascht hat ihn, dass es nicht junge Reisende waren, sondern Rentner.

79-Jähriger jubelt für Deutschland

Das kennt auch Verkäuferin Katarina Lubitsch aus Leherheide: Ihr 79-jähriger Vater liebt Fußball. „Er jubelt nur für die deutsche Mannschaft, da kennt er auch alle Spieler“, sagt die 47-Jährige. Sie selbst hat gerne ein Ass im Ärmel: „Das russische Team ist leider nicht so gut. Da wir hier leben, haben wir ja auch einen Bezug zu Deutschland und können auch zu Deutschland halten“, sagt sie.

Herz schlägt für beide Teams

Zahntechniker Wladimir Boos aus dem Fehrmoorgebiet freue sich als Russe ebenso, wenn das Turnier für Deutschland gut läuft. Dann sei die Stimmung gut. Hin- und hergerissen ist auch Regina Sedov aus dem Schierholzgebiet. Die 27-Jährige lebt seit ihrem vierten Lebensjahr in Deutschland und wird oft gefragt, zu wem sie den halte. „Wenn Russland spielt, halte ich zu Russland, wenn Deutschland spielt, zu Deutschland. Und wenn sie aufeinander treffen? „Dann guck ich weg“, sagt die Friseurin und lacht.

Maike Wessolowski

Maike Wessolowski

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In Remscheid, der "Seestadt auf dem Berge", haben die aus Goslar und Ostpreußen stammenden Eltern sie großgezogen. Nach beruflicher und privater Wanderschaft durch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen hat sie in der Seestadt Bremerhaven festgemacht. Dort, wo schon der Opa am liebsten Schiffe geguckt hat, will sie Menschen und ihre spannende Geschichten entdecken.