Bunte Parade für gleiche Rechte

Mann, Frau – oder vielleicht doch etwas dazwischen? Beim Christopher Street Day in Hamburg muss sich niemand für ein Geschlecht entscheiden, nicht einmal beim Besuch öffentlicher Sanitäranlagen. „Unisextoiletten findet ihr auf dem Jungfernstieg gegenüber vom Alsterhaus und Mitte des Ballindamms“, steht an einem der Klohäuschen. Ganz normal also. 

Verrückte Kostüme oder halb nackt

Im Hintergrund dröhnen bereits die wuchtigen Bässe, mit denen die bunten Festwagen abwechselnd Techno-Beats, Oldies und politische Botschaften in die Menge feuern. Langsam, aber zielsicher zieht die Parade von der Langen Reihe zum Jungfernstieg. Rund 80 000 Teilnehmer zählt die Polizei, die tanzend, in verrückten Kostümen oder auch halb nackt für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgenders demonstrieren.

Friedliche Atmosphäre ist keine Selbstverständlichkeit

Ein amerikanischer Schulbus, aus dem kleine Regenbogenfahnen gehalten werden, schiebt sich tuckernd durch die Menge, dicht gefolgt von mehreren Männern in Stöckelschuhen, die den Blick auf eine regelrechte Plakatwand freigeben. „Girls like Girls“ oder „Lieb doch, wen du willst“ steht auf ihnen, gut sichtbar für die rund 100 000 Zuschauer, die vom Straßenrand aus das Spektakel bestaunen und mitfeiern. Die friedliche Atmosphäre ist jedoch nicht für alle Teilnehmer eine Selbstverständlichkeit. „Ich kann mich nur gut an die Demos Ende der 80er erinnern, bei denen Hunderte Polizisten mit Schlagstöcken und Schutzschilden mitgelaufen sind“, erzählt Ilkka Vollmers (51), der seit Anfang des Jahres offiziell mit seinem Lebenspartner Horst verheiratet ist.

Einführung des dritten Geschlechts gefordert

Tatsächlich erinnert der CSD an einem Aufstand von Homosexuellen im Juni 1969 in der Christopher Street in New York. Diese wehrten sich gegen gewalttätige Razzien der Polizei in Schwulenkneipen. Der Aufstand endete in tagelangen Straßenschlachten. Heute demonstrieren am CSD Menschen weltweit für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung, um so diesen Auseinandersetzung zu gedenken. In diesem Jahr soll unter dem Motto „Freie Bahn für Genderwahn!“ vor allem gegen vorherrschende Geschlechterschubladen demonstriert werden. Neben einer Einführung des dritten Geschlechts fordern die Demonstranten einen gendersensibleren Umgang mit der Sprache sowie eine Reform des Transsexuellengesetzes. Die hohe Beteiligung in Hamburg werten die Veranstalter als wichtiges Zeichen in politisch schwierigen Zeiten.