Schlechte Milchpreise, viel Bürokratie: Immer weniger Bauern in Niedersachsen

Die Zahl der Landwirte in Niedersachsen geht weiter zurück. Das gab das Landesamt für Statistik am Freitag bekannt. Die Gründe dafür sind vielfältig. 

Schlechte Preise und viel Bürokratie

Schlechte Preise für Milch und Schweinefleisch, hohe bürokratische Auflagen für den Stallbau und das Ausbringen von Gülle, eine agrarkritische Haltung in Teilen der Gesellschaft – viele Bauern in Niedersachsen wollen nicht mehr. Sie geben ihren Betrieb auf.

1700 Betriebe geben auf

Wie das Landesamt für Statistik am Freitag auf der Basis von vorläufigen Zahlen mitteilte, gaben 1700 Betriebe zwischen 2013 und 2016 auf. Das entspricht einem Rückgang von 4,3 Prozent. Die Betriebsgröße wuchs allerdings im Durchschnitt und stieg von 66 auf 69 Hektar.

Mehr Öko-Bauern

Im vergangenen Jahr gab es 37 800 landwirtschaftliche Betriebe. Die Zahl der Öko-Landwirte stieg seit 2013 um knapp 9 Prozent auf 1300 Betriebe. Sie bewirtschaften 3,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe erhöhte sich zwischen 2013 und 2016 um knapp 2 Prozent auf 35 Prozent der Bauernhöfe.

Viel Getreide

Insgesamt werden in Niedersachsen 2,6 Millionen Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt. 26 Prozent der Landwirtschaftsflächen werden als Grünland genutzt. Der Anteil des Ackerlandes vergrößerte sich auf 73 Prozent. Am meisten wurde mit 43,7 Prozent Getreide angebaut.

Preise sind mitentscheidend

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer und des Landvolks auch, aber nicht nur wirtschaftliche Gründe. Die Preismisere bei den Milchviehbetrieben und bei den Schweinehaltern habe gleichwohl den Schritt zur Betriebsaufgabe forciert, sagt Wolfgang Ehrecke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Kritische Öffentlichkeit

Viele Landwirtsfamilien leiden auch unter einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit. Stall-Einbrüche durch Tierschutzorganisationen und Bürgerinitiativen gegen Neubauvorhaben seien keine Seltenheit. „Viele Landwirte halten das auch psychisch nicht mehr durch“, sagte Wilfried Steffens vom Landvolk Niedersachsen.

Hohe Anforderungen

Hinzu kämmen politische Rahmenbedingungen wie höhere Anforderungen an das Tierwohl, mehr Umwelt- und Klimaschutz. Außerdem herrsche oft Unsicherheit, wie neue Vorgaben überhaupt umgesetzt werden sollen, weil es schwieriger geworden sei, Baugenehmigungen zu bekommen.

Zahlreiche Kontrollen

Auch die hohe Kontrolldichte mache den Landwirten zu schaffen, denn beim Düngen, bei der Agrarförderung sowie beim Pflanzen- und Tierschutz werden die Höfe mitunter durch mehrere Behörden kontrolliert. Der Dokumentationsaufwand sei hoch und auch belastend für die Bauernfamilie, die sich in der Regel keine Extra-Verwaltungskraft leisten könne, sagte Ehrecke.

Vor allem kleinere Betriebe betroffen

Der Strukturwandel treffe vor allem kleinere Betriebe, sagt Steffens. Damit sei etwa bei den Milchviehaltern zu rechnen: „Die kleineren werden ganz ausscheiden. Bei den Mittelgroßen wird man sehen, und bei den Größeren wird wieder investiert.“