Richter mahnt Patienten-Mörder Högel zur vollen Wahrheit

Im Prozess um den 100-fachen Mord an Patienten hat der Richter eindringlich an den angeklagten Ex-Pfleger Niels Högel appelliert, die volle Wahrheit zu sagen. „Es ist für die Wahrheit nie zu spät“, sagte Richter Sebastian Bührmann am Donnerstag am Landgericht Oldenburg. Es sei auch jetzt nicht zu spät, nachdem zwei Drittel der Zeugen ausgesagt hätten.

Högel sitzt schon lebenslang in Haft

Der 2015 wegen Mordes verurteilte Högel (42) sitzt schon wegen des Todes von sechs Patienten lebenslang in Haft. Er soll Patienten mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben.

„Fast suchtartige Züge“

Bührmann hält weitere Taten Högels grundsätzlich für möglich. Diese hätten „fast suchtartige Züge“ aufgewiesen, sagte der Richter am zwölften Prozesstag. Für ihn sei deshalb nur schwer vorstellbar, dass Högel nach der Versetzung in eine andere Abteilung im Klinikum Oldenburg von Januar bis September 2002 nur stillgehalten habe.

Spitzname „Sensen-Högel“

Am Donnerstag sagte ein Ex-Kollege Högels aus, der sich an den Spitznamen „Sensen-Högel“ erinnerte. Der 48-Jährige berief sich aber wie viele Zeugen zuvor trotz intensiven Nachfragens und des Vorhaltens früherer Aussagen von 2014 in vielen Punkten auf Erinnerungslücken. „Es fällt mir schwer, dass sie sich 2014 an solche intensiven Sachen erinnern und 2019 nicht mehr“, sagte Bührmann. (dpa)