Portugal: Eine ganze Nation feiert den EM-Titel

Portugal ist Fußball-Europameister – für viele überraschend, aber von den eigenen Fans deshalb umso frenetischer bejubelt. Die Spieler erhalten nun einen Verdienstorden. Und eine Zeitung in der Hauptstadt Lissabon regt sogar an, den Tag des Finalsieges über Frankreich (1:0 n. V.) zum Nationalfeiertag zu erklären.

Ausgelassene Freude statt Melancholie und Traurigkeit

Der EM-Titel ist eine große Genugtuung für das von Krisen geplagte Land. „Nach so einem Triumph hatten die Portugiesen sich seit langem gesehnt“, sagte Ministerpräsident António Costa. Die Portugiesen, denen häufig ein Hang zur Traurigkeit und Melancholie nachgesagt wird, feierten ausgelassen zu Hunderttausenden den ersten großen Titelgewinn ihrer Selecção.

EURO 2016
Auch kurz vor dem Abflug in die Heimat konnte sich Cristiano Ronaldo nicht von dem lang ersehnten Pokal trennen. Foto Lopes/dpa

Der 10. Juli: Der neue Nationalfeiertag

Die Zeitung „Público“ regte – wohl scherzhaft – an, den Tag des Titelgewinns zum Nationalfeiertag zu erklären. „10. Juli – der Tag Portugals“, titelte das Blatt am Montag. Der „Tag Portugals“ ist der Nationalfeiertag und wird normalerweise jährlich am 10. Juni gefeiert.

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Im Flieger nach Lissabon posierten die neuen Nationalhelden mit dem Pokal und einem Foto des 2014 verstorbenen Eusebio. Foto Portugiesischer Fußball-Verband

Portugals Fußball-Helden sollen einen Verdienstorden bekommen

Der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa kündigte an, dass die Spieler mit einem Verdienstorden ausgezeichnet werden. Mit Recht, wie die Zeitung „Jornal de Notícias“ meinte: „Selbst der beste Drehbuchautor der Welt hätte sich eine solche Geschichte wie die EM 2016 nicht ausdenken können.“

Deutlich weniger euphorisch äußerte sich verständlicherweise die französische Sportzeitung „L’Equipe“:

„Niedergeschlagen. Die Geschichte wird sich nicht wiederholen. 32 Jahre nach der Krönung von Michel Platini bei der Euro 1984, 18 Jahre nach der Galavorstellung von Zinedine Zidane gegen Brasilien im WM-Finale, sind die Jungs von Didier Deschamps gestern gefallen gegen Portugiesen ohne Genie (…). Diesen Morgen erwacht Frankreich notgedrungen mit dem Gefühl der Verschwendung.“

Fans feiern im Hamburger Hafen

Auch in Hamburg, Berlin und Frankfurt feierten Hunderte Portugiesen den Titel ihrer Landsleute. So drängten sich in Hamburgs Portugiesenviertel am Hafen die Fans während des Spiels in den vielen kleinen Bistros, Straßencafés und Restaurants dicht an dicht, um vom Bordstein aus das Finalspiel zu verfolgen. Wie ein Pfropf verstopften sie die engen Gassen, sodass es für Autos kaum noch ein Durchkommen gab.

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Nach dem Schlusspfiff verwandelten Hunderte portugiesische Fans das Hamburger Portugiesenviertel in eine große Partyzone. Foto Bockwoldt/dpa

Autokorsos in Rot und Grün

Auf der Berliner Fanmeile am Brandenburger Tor waren die Portugiesen zwar den Franzosen zahlenmäßig unterlegen, waren dank des Ergebnisses am Ende aber tonangebend. An der Alten Oper in Frankfurt feierten rund 300 Menschen Portugals Triumph, auch in Wiesbaden gab es Autokorsos in Rot und Grün.