Hat er sich gelohnt? Der Bremer Tatort im Fadenkreuz der nord24-Ermittler

Tatort am Pfingstmontag verpasst? Kein Problem, wir haben den neuesten Fall von Lürsen und Stedefreund aus Bremen („Der hundertste Affe“) im Überblick. Im Mittelpunkt des Falls stehen Umweltaktivisten, die Bremen bedrohen.

Die Handlung

Kurz und intensiv statt langwieriger Ermittlungen: Bei ihrem neuesten Fall „Der hundertste Affe“ ermitteln die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) aus Bremen unter Hochdruck, denn ihr aktueller Fall spielt sich innerhalb von nur 12 Stunden ab. Es geht um die Profitgier großer Konzerne, Vertuschung und Moral: Umweltaktivisten fordern die Freilassung des inhaftierten Biochemikers Urs Renders, der einst für ein großes Unternehmen Pestizide mitentwickelte.

Da die Polizei den Forderungen der Umweltaktivisten nicht wie gewünscht nachkommen, vergiften diese das Trinkwasser mit Pestiziden in Bremen, woraufhin 17 Menschen sterben. Für Lürsen, Stedefreund und die neue BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram) beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bevor es weitere Opfer gibt.

Die heimliche Hauptdarstellerin

Rothaarig, langbeinig und mit ihrer überheblichen Art am Rande der Arroganz – das war die neue BKA-Kommissarin Linda Selb. Die junge Ermittlerin wirkte mit ihrer Lebendigkeit wohltuend erfrischend. Zudem verlieh sie dem Tatort durch ihr sich anbahnendes Techtelmechtel mit Stedefreund eine Prise Erotik. Schauspielerin Luise Wolfram überzeugte mit flotten Sprüchen und übertriebenem Selbstbewusstsein („Ich bin die Beste, wenn man mich in Ruhe arbeiten lässt“) als Tatort-Neuling. Hoffentlich nicht ihr letzer Auftritt dort.

Der Satz der Sendung

„Keinen interessiert es, was in der Welt passiert, wenn da Menschen sterben. Deshalb muss man den Tod hierher bringen.“ Gesagt hat das die Umweltaktivistin Luisa, kurz nach ihrer Festnahme. Und es hat in der Tat einen wahren Kern. Das Leid der Welt ist vielfältig, in vielen Ländern herrschen Krieg und Elend. Dass internationale Biotechnologiekonzerne mit teuren und hochgiftigen Düngemitteln Entwicklungsländer in die Pleite treiben und den Tod zahlreicher Menschen in Kauf nehmen, geht da schnell und häufig unter.

Wie realistisch war der Tatort?

Sehr unrealistisch. Drei Umweltaktivisten, die sich selbst uneinig über ihre Pläne sind und sich gegenseitig verpfeifen, halten mehr als einen halben Tag lang ganz Bremen in Atem. Sie sind für den Tod an 17 Menschen verantwortlich und drohen mit einem dem Mord an zahlreichen weiteren Bürgern.

Obwohl die Bremer Ermittler schnell merken, dass aus ihrem Kommissariat vertrauliche Informationen an die drei Umwelt-Terroristen, pardon, Umwelt-Aktivisten gelangen, stellen sie erst auf der Zielgerade des Falls fest, dass sie über eine angeschaltete Kamera an einem der Dienst-Laptops ausgespäht werden. Und dann hackt sich die BKA-Ermittlerin innerhalb von nicht einmal drei Sekunden in den Laptop des IT-Experten der Aktivisten ein. Respekt, das ist wohl ein neuer Weltrekord!

Unser Urteil

Hop oder top, aber keineswegs mittelmäßiger Durchschnitt. Ein anderes Urteil lässt dieser Tatort nicht zu. Dafür war er zu schnell, intensiv und spannend, aber auch abstrus und amerikanisch angehaucht. Wir entscheiden uns für hop: Dieser Tatort passt so gar nicht zu den bisherigen von Lürsen und Stedefreund. Ein nett gemeintes Experiment des Regisseurs, aber hoffentlich ein Einzelfall.

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