Hochwertige Serien für anspruchsvolle Zuschauer

Internationale Serien wie „Game of Thrones“ oder „Downton Abbey“ laufen seit einiger Zeit recht erfolgreich im deutschen Fernsehen. Mit Formaten wie „Weinberg“ (TNT), „Deutschland 83“ (RTL) und „Die Stadt und die Macht“, versuchen deutsche Produzenten dem aktuellen Serien-Boom zu folgen. Mit bislang durchwachsenem Erfolg.

„Wir haben in Deutschland eine sehr gut entwickelte klassische Serienlandschaft, andere Formate haben es da schwer“, sagt Produzent Jörg Winger („Deutschland 83“) im Interview mit der Nordsee-Zeitung (Ausgabe vom 2. Februar 2016).

„Premium-Serien“ sind aufgebaut wie ein Roman

Die Serien der neuen Generation bezeichnet er als „Premium-Serien, die in ihrem Produktions-Budget höher liegen als normale Serien und daher visueller ambitionierter sind“. Inhaltlich seien die Serien aufgebaut wie ein Roman – die Geschichte der Figuren werde in Kapiteln erzählt. „Das Zusehen ist eine intensive und emotionale Erfahrung. Dabei kann eine Art Sucht entstehen, bei der die Leute unbedingt die nächste Folge sehen müssen.“

In den USA gibt es eine sehr große Wachstumsrate solcher Formate, so Winger. 400 Serien seien dort im vergangenen Jahr im Programm gewesen – gegenüber 40 zehn  Jahre zuvor.

„Deutschland 83“ kam beim deutschen Fernsehpublikum nicht so gut an

Auch für den deutschen Fernsehmarkt rechnet Winger mit einem Anstieg der ausgestrahlten Premium-Serien: „Die Zuschauer werden anspruchsvoller.“  Etwas ratlos ist der Produzent allerdings hinsichtlich der Frage, warum der von ihm produzierte Achtteiler „Deutschland 83“ beim deutschen Fernsehpublikum durchfiel. Immerhin sanken die Einschaltquoten laut GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) von 3,2 Millionen Zuschauern (Folge eins) auf 1,6 Millionen (Folge acht).

Die Einschaltquote allein sagt nicht alles aus

Eine Teilschuld gibt er dem Internet. Dort gebe es durch Plattformen wie iTunes und Amazon Video oder illegales Streamen vielfältige Möglichkeiten, den Fernseher auszulassen und trotzdem die Serie zu gucken. „Unsere Recherchen zeigen, dass wir in der GfK-Einschaltquote zwar nicht so abgeschnitten haben wie erwartet, aber wesentlich mehr Zuschauer in Deutschland erreicht haben, als es diese Zahlen aussagen.“

Gespräche für die zweite Staffel laufen

International war und ist „Deutschland 83“ hingegen ein voller Erfolg. Auch deshalb wird laut Winger schon über eine eventuelle zweite Staffel gesprochen. Die könnte „Deutschland 86“ heißen. „Das ist aber alles noch nicht spruchreif.“

Als Produzent von Serien hat man natürlich auch seine persönlichen Lieblinge auf diesem Gebiet. Wingers Favorit auf dem umkämpften Serienmarkt ist derzeit „Fargo“: „Ich mag die Mischung aus Spannung und absurdem Humor.

Trailer und Interview von „Deutschland 83“

Wer „Deutschland 83“ nicht gesehen hat, hier ein kurzer Trailer der Serie für das US-Fernsehen:

 

Und hier ein Interview mit Hauptdarsteller Jonas Nay über die Serie: