Ärger um den Friedwald in Kührstedt

Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, Verstorbene unter Bäumen und freiem Himmel beisetzen zu lassen. In Kührstedt gibt es jedoch Streit um den neuen, 22 Hektar großen „Friedwald Cuxland“. Bei seiner Eröffnung im Oktober soll keine Genehmigung vorgelegen habe. Zudem sind Experten der Ansicht, dass die Human-Asche das Grundwasser langfristig belastet.

Gefährden Friedwälder die Umwelt?

Zu den Kritikern gehört Andreas Morgenroth, Friedhofsberater und Umweltplaner aus Hamburg. Seine Vorwürfe: „Die Organisation Friedwald GmbH verstößt mit der Errichtung des Waldes gegen die Wasserschutzgebietsverordnung des Landkreises.“ Ein Teil des Waldes dürfe nach der Verordnung nämlich nicht freigegeben werden. Auf der anderen Seite stehen die Betreiber der Friedwald GmbH: „Wir sind rechtlich abgesichert und wir arbeiten eng mit den jeweiligen Kommunen zusammen. Unsere Wälder stellen keine Gefährdung für die Umwelt dar“, erklärt Sprecherin Corinna Brod.

Schwermetalle in der Asche von Menschen

Morgenroth wirft der Organisation unrechtmäßiges und unökologisches Handeln vor. Bei natürlichen Wäldern gebe es laut Morgenroth, strengere Auflagen als bei künstlich angelegten Friedhöfen. Gerade im Wald sei eine Belastung mit Schwermetallen, die in Human-Asche enthalten sind, besonders gefährlich, sagt er. Wegen ihrer Diskrepanzen trafen sich beide Parteien schon mehrmals vor Gericht.

Viele Köche rühren in dem Brei

Die Diskussion um Bestattungswälder ist komplex: Bestattungs- und Friedhofsrecht, Grundwasserverordnung, kommunale Verwaltung, Ökologie, Kirche und viele weitere Bereiche sind betroffen. „Unsere Wasserschutzgebietsverordnung gibt es seit 1984“, erklärt Andreas Frühauf, Fachgebietsleiter vom Amt für Straßen- und Gewässerbaus beim Landkreis Cuxhaven. „Danach liegt der Wald in Kührstedt derzeit in Zone 3. Dafür hat der Landkreis seine Erlaubnis erteilt.“

Wald in Kührstedt liegt genau auf der Grenze

In Zukunft sei jedoch eine Erneuerung der Verordnung geplant. „Wir unterscheiden dann zwischen einer strengen und einer großzügigeren Zone – zwischen Zone 3 a und Zone 3 b. Der Wald in Kührstedt wird genau auf der Grenze liegen.“ Deshalb dürfe der südliche Teil des Friedwalds in Kührstedt tatsächlich noch nicht freigegeben werden“, erklärt er.

Die Friedwald GmbH reagiert

Für Friedwald-Sprecherin Corinna Brod kein Problem: „Als wir von der neuen Verordnung in Kenntnis gesetzt wurden, haben wir den entsprechenden Gelände-Teil rausgenommen.“ Hier finden derzeit keine Beisetzungen statt.

Forstamtsleiter: „Teil einer Hasskampagne“

Dr. Otto Fricke, Leiter des zuständigen Forstamtes Harsefeld, betrachtet die Vorwürfe des Hamburger Friedhofsberaters Morgenroth als „Teil einer Hasskampagne“. Friedwälder seien ohnehin größer ausgelegt, um Platz für zukünftige Bestattungen zu haben. Daher sei der Bereich, der künftig in der strengeren Schutzzone liegen werde, gar nicht relevant.

Untersuchungen  führen zu unterschiedlichen Ergebnissen

Um den Vorwurf, dass Bestattungswälder unökologisch seien, aus der Welt zu schaffen, hat der Friedwaldbetreiber im vergangenen Jahr eine Studie an der Universität Freiburg in Auftrag gegeben. Nach Corinna Brod sind die Ergebnisse klar: Es gebe keine Nachweise, dass sich Totenasche negativ auf Boden und Wasser auswirkt. Allerdings führt auch Morgenroth Untersuchungen an, die zum gegenteiligen Ergebnis kommen.