Cuxländerin findet wertvolles Tagebuch – Erinnerungen an Chicago 1893

Auf den ersten Blick ist es unscheinbar. Und auf den zweiten ein wahrer Schatz: Ursula Edebohls aus Dorum hat das alte Tagebuch ihres Urgroßvaters wiedergefunden. Dieser war 1893 mit einem Dampfer von Cuxhaven über den Großen Teich geschippert – um auf der Weltausstellung in Chicago als Kellner zu arbeiten.

Purer Zufall

Dass Ursula Edebohls sich nach all den Jahren wieder an das Tagebuch ihres Vorfahren erinnerte, war purer Zufall: „Ich habe an einer Führung durch die Hapag-Hallen teilgenommen und plötzlich hing es direkt vor mir.“ Ein Bild der „Augusta Victoria“. Bei dem Anblick des alten Dampfers fiel es Ursula Edebohls wie Schuppen von den Augen: Damit war ihr Urgroßvater einst in die USA gefahren. So kam auch die Erinnerung an das Tagebuch zurück.

Tagebuch war Geburtstagsgeschenk

„Mein Vater hat es mir zum 32. Geburtstag geschenkt, zusammen mit einem Fotoalbum. Irgendwie ist das mit den Jahren in Vergessenheit geraten“, erzählt Ursula Edebohls. Also kramte sie das angestaubte Notizbuch wieder hervor und fing an zu lesen.

Der Traum vom eigenen Restaurant

Der 1867 in Mainz geborene Urgroßvater hatte immer den Traum vom eigenen Restaurant. Einen Dampfer der Köln-Düsseldorfer pachten und wieder flott machen, das war sein Herzenswunsch. „Leider fehlte ihm dazu das Geld“, weiß Ursula Edebohls.

Von Cuxhaven über Southampton nach New York

Dafür wagte er sich an ein anderes Abenteuer: Er fuhr mit der „Augusta Victoria“ von Cuxhaven über Southampton nach New York – und von dort aus mit dem Zug weiter nach Chicago zur Weltausstellung „World’s Columbian Exposition“, um als Kellner im Deutschen Pavillon zu arbeiten.

Insgesamt 65 Kellner an Bord

26 Jahre alt war Hermann Riedrich zu dieser Zeit, hatte zwei Kinder. Seine Erlebnisse während der Reise, schöne und weniger schöne, hat er in sein Tagebuch geschrieben.  Insgesamt 65 Kellner waren an Bord der „Augusta Victoria“. Und Hermann Riedrich war einer von ihnen.

Nicht begeistert von New York

In New York angekommen, war der Urgroßvater alles andere als begeistert von der Weltstadt. „Ich hatte mir das anders vorgestellt. Zerbrochene Kisten und Fässer, Stroh und Papier und sonstiger Unrat bedecken die Straßen“, beschreibt er seine Eindrücke.

Merlin Hinkelmann

Merlin Hinkelmann

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Merlin Hinkelmann, Jahrgang 1995, ist in der Wesermarsch aufgewachsen. Er studierte Kommunikations- und Politikwissenschaft in Bremen. Sein Volontariat absolvierte er bei der NORDSEE-ZEITUNG, wo er inzwischen in der Landkreisredaktion arbeitet.