Stoteler Familie erlebt russisches Sommermärchen

Wenn die Stoteler Eheleute Gesche und Frederik Klaustermeyer Liebesgrüße aus Moskau an Verwandte und Freunde daheim senden, denken sie nicht an den legendären James-Bond-Film. Die Nachrichten künden von ihrer Begeisterung für die russische Metropole, in der sie seit 2016 mit ihren beiden Kindern leben.

Denn in der Weltstadt wurden sie zu eingefleischten Moskauer Lokalpatrioten. Erst recht während der Fußball-WM, von der sie als „Sommermärchen auf Russisch“ schwärmen. „Die Stimmung ist einfach toll, die Stadt so bunt wie noch nie“, freut sich Frederik Klaustermeyer, der als Regierungssekretär in Diensten des Auswärtigen Amtes steht und im Frühjahr 2016 an die Deutsche Botschaft in Moskau versetzt wurde. Der 43-Jährige, Ehefrau Gesche (41), Sohn Jonathan (15) und Tochter Josephine (13) sind deshalb als Einheimische dabei, wenn auf der Fanmeile an der Lomonossow-Universität das sportliche Großereignis gefeiert wird.

Vom WM-Fieber angesteckt

„Die ganze Welt ist in Moskau zu Gast, und die Moskowiter sind wunderbare Gastgeber“, sagt Klaustermeyer. Und obwohl sich die Eheleute – im Gegensatz zu ihren Kindern – bisher eher wenig für den Fußball zu interessieren pflegten, haben sie sich vom WM-Fieber anstecken lassen. „Am Roten Platz gab es am vergangenen Wochenende kein Durchkommen mehr“, berichtet Gesche Klaustermeyer. Die DFB-Pleite war für die Familie nicht nur wegen des schlappen Auftritts enttäuschend. Denn durch die Niederlage sanken auch die Chancen, am 11. Juli im Moskauer Luschnikistadion Jogi Löws Kicker im Halbfinale mit möglicher deutscher Beteiligung sehen zu können.

Halbfinal-Tickets gewonnen

Frederik Klaustermeyer: „Für die Mitarbeiter der Botschaft gab es keineswegs Freikarten. Wir waren daher auf die normale Verlosung der Fifa angewiesen und gingen beim Finale leider leer aus. Doch bei der Vergabe der Halbfinal-Tickets hatten wir Glück.“ Welche Mannschaften dann aufeinandertreffen, sei ihm aber „letztlich egal – Hauptsache, wir vier sind im Stadion dabei“. Für die Stoteler ist das mehrjährige Gastspiel in der 12-Millionen-Metropole nicht nur wegen der Fußball-WM ein Glücksfall. „Wir haben uns hier von Anfang an willkommen gefühlt“, so Gesche Klaustermeyer, die nicht die geringsten negativen Erfahrungen gemacht habe.

Wahlheimat auf Zeit

Schon jetzt steht allerdings fest: Moskau ist für die Eheleute und die Kinder, die an der Deutschen Schule unterrichtet werden, nur eine Zwischenstation und Wahlheimat auf Zeit. Voraussichtlich 2021 wird Frederik Klaustermeyer, so sehen es die Regeln des diplomatischen Dienstes vor, in eine andere, dann aber weniger große Hauptstadt versetzt. „Bis dahin werden wir die Zeit in Russland genießen“, sagt Ehefrau Gesche, die sich sogar an die klirrende Kälte in den Wintermonaten gewöhnt hat – mit Tiefsttemperaturen bis minus 27 Grad.