Posen statt erleben: Es reicht mit dem Selfie-Wahn #isso

Ich am Strand, ich mit der besten Freundin, ich auf dem Weg zur Party. Wir machen überall und andauernd Selfies. Zeigen unseren „Freunden“ auf Facebook, Instagram oder per WhatsApp, wo wir gerade sind und was wir machen. Im Mittelpunkt steht dabei immer eins: Wir selbst. Die Orte, die Menschen um uns, die Erlebnisse werden zweitrangig. 

Foto für Foto mitverfolgen

333.252.018 und 342.311.838 – so viele Beiträge gibt es mit den Hashtags #selfie und #me auf Instagram. Jeder, der in sozialen Netzwerken unterwegs ist, kennt jemanden, dessen Account nur so vor Selfies strotzt. Eine Person, die ihren Alltag Schritt für Schritt mit Beiträgen und Stories auf sozialen Netzwerken dokumentiert. Doch der Schein trügt: Denn wer immer nur an den nächsten Beitrag  für Instagram und Co. denkt, verpasst einiges.

Komplimente erhaschen

Gerade der Urlaub ist die perfekte Gelegenheit, bei der selbst der letzte Selfie-Muffel das Smartphone rausholt und ein Foto von sich selbst knipst. Wir wollen unsere persönlichen Erfahrungen und Highlights mit Freunden teilen und Komplimente erhaschen, wie gebräunt, entspannt und glücklich wir aussehen.

Genießen wird Nebensache

Sich tatsächlich zu entspannen, einen Moment zu genießen, rückt dabei in den Hintergrund. Hauptsache das Foto ist gut und die Freunde sind neidisch auf den Traumurlaub. Ob es abseits des Fotos tatsächlich einer ist, rückt erst einmal in den Hintergrund.

Hauptsache gut aussehen

Selfies sind schon lange keine Herumspielerei mehr wie zu Zeiten der ersten Kamerahandys, sondern ein Massenphänomen. Sie sind Selbstdarstellung vom Feinsten. Wir machen 30 verschiedene Fotos, um das eine mit dem besten Lächeln, dem besten Licht, dem besten Winkel zu finden. Hauptsache wir sehen gut aus. Alles andere wird zweitrangig.

Erlebnisse verpassen

Doch damit reduziert das Selfie unser Umfeld zur bloßen Kulisse, macht es austauschbar. Die Aufmerksamkeit liegt nicht mehr auf einem besonderen Ort, den Menschen um uns oder den Erlebnissen. Und so verpassen wir vieles, wie zum Beispiel den schönen Ausblick im Urlaub. Wer öfter das Smartphone in der Hosentasche lässt, hat vielleicht ein Foto weniger zum Teilen, aber sicher eine Erfahrung mehr. So habe ich es zumindest in meinem letzten Urlaub gemacht: Zwei Selfies zur Erinnerung und dann abschalten und genießen.

Stefanie Jürgensen

Stefanie Jürgensen

zeige alle Beiträge

Stefanie Jürgensen kommt aus Schleswig-Holstein. Sie hat Öffentlichkeitsarbeit in Kiel und Norwegen studiert. Seit September 2016 volontiert sie bei der NORDSEE-ZEITUNG und absolviert den dualen Masterstudiengang "Journalismus und Medienwirtschaft" an der Fachhochschule Kiel.