Twitter wird 10 Jahre alt

Vor zehn Jahren sendete Jack Dorsey den ersten Tweet. Das war der Beginn des Mikroblogging-Dienstes Twitter, Dorsey ist heute sein Chef. Schrieben viele Nutzer am Anfang über ihren Alltag, dominieren inzwischen professionelle Botschaften.

Journalisten haben sich an Twitter gewöhnt

Die Aufregung erscheint heute wie aus einer anderen Welt. Als Steffen Seibert begann, Twitter für die Regierungskommunikation zu nutzen, sorgte das bei einigen Journalisten für Unmut: Müssten sie sich nun selbst einen Account zulegen? Im Februar 2011 startete der Regierungssprecher seinen Auftritt in dem Mikroblogging-Dienst. Damals war das noch eine Nachricht. Inzwischen haben sich längst nicht nur Journalisten daran gewöhnt, dass Profi-Kommentatoren ihre Botschaften nicht mehr nur via Pressemeldung kundtun, sondern in die Welt twittern.

Ein Tweet – 140 Zeichen

Die Geschichte beginnt am 21. März 2006. Jack Dorsey, heute Chef von Twitter, sendet den ersten Tweet: „just setting up my twttr“. Das Besondere an Twitter: die Kürze. Ein Tweet ist auf 140 Zeichen Länge beschränkt. Viele Nutzer erzählten zunächst von ihrem Alltag, sagt Katrin Weller, die am GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln Social Media erforscht. „Sie schrieben, was sie gerade machten oder woran sie dachten. Viele Inhalte hatten einen flüchtigen Charakter.“

Ab 2007 kommt der Hashtag

Im August 2007 gab es dann eine bis heute prägende Innovation. Der Nutzer Chris Messina schlug vor, die Raute # als Hashtag zu benutzen. Diese Kennzeichnung setzte sich durch: Viele ordnen ihre Botschaften damit einem bestimmten Thema zu. Klickt man auf den Hashtag, sieht man alle Tweets, die damit gekennzeichnet sind. „Die Hashtags sind heute sehr wichtig, so lassen sich Inhalte auf Twitter bündeln und finden“, erklärt Axel Bruns, Professor für Kommunikation und Medien an der Universität Queensland in Brisbane in Australien.

Professionelle Kommunikation

Die Nutzerstruktur des Dienstes habe sich verändert, sagt Bruns. Zunächst hätten sich besonders viele Technologieaffine angemeldet. Dann seien Menschen hinzugekommen, die sich besonders für aktuelle Ereignisse und Politik interessieren. „Inzwischen sind viele professionelle Akteure auf Twitter aktiv, aus den Medien, PR, Marketing, Informationstechnik, aber auch aus Bereichen wie Sport und Touristik.“ Damit änderten sich auch die Inhalte: Die Alltagskommunikation trat in den Hintergrund. „Inzwischen ist die Kommunikation viel professioneller geworden“, sagt Bruns. „Viele professionelle Akteure verbreiten hier ihre Botschaften.“

Twitter als Nachrichtenstrom

Twitter habe es leichter gemacht, über Neuigkeiten informiert zu werden, erläutert Jan-Hinrik Schmidt, der als wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation am Hans-Bredow-Institut in Hamburg arbeitet. „Die allermeisten Nutzer erfahren Twitter als Nachrichtenstrom.“ Dabei sei das Verbreiten von Informationen aller Art in den Vordergrund gerückt: „Man kann sich über Twitter problemlos eine eigene persönliche Öffentlichkeit schaffen.“

Live von aktuellen Ereignissen

Viel Aufmerksamkeit bekamen beispielsweise Augenzeugen, die via Twitter live von aktuellen Ereignissen berichteten, so über die Notlandung eines Airbus auf dem Hudson River 2009. Prominent wurden in den vergangenen Jahren zudem einige Themen, die aufkamen, als Twitter-Nutzer ihre Botschaften massenhaft unter einem bestimmten Hashtag sammelten. Im Januar 2013 berichteten Frauen mit dem Hashtag #aufschrei über Sexismus. Im November 2014 erzählten Tausende unter #notjustsad vom Leben mit einer Depression.

 

 

Lili Maffiotte

Lili Maffiotte

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Lili Maffiotte, Spanierin mit kompliziertem Namen, aber ohne Spanischkenntnisse, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland. Seit 23 Jahren bei der NORDSEE-ZEITUNG - als gelernte Fotografin von der Bildredaktion über ein Volontariat in die Lokalredaktion mit Zwischenstationen in der Sportredaktion. Seit Oktober 2015 in der Online-Redaktion für die Social-Media-Kanäle zuständig.

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