AfD-Gegner besetzen Bundeswehr-Panzer beim Seestadtfest

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat am Wochenende auch in Bremerhaven für Schlagzeilen gesorgt: Während die Partei im Comforthotel ihren Landesparteitag veranstaltet hat, besetzen AfD-Gegner nach einer Demonstration gegen den Parteitag einen Panzer der Bundeswehr. Einer von ihnen hat sich dort festgekettet und musste von Rettungskräften befreit werden. 

Bremer AfD ist tief gespalten

Die AfD gibt ein zerrissenes Bild ab: Beim Landesparteitag im Sitzungssaal des Bremerhavener Comforthotels zeigen sich die seit Monaten bekämpfenden Lager innerhalb des Landesverbandes weiterhin zerstritten.  Viele der fast 50 Mitglieder kritisieren den Führungs- und Kommunikationsstil sowie die inhaltliche Arbeit des AfD-Landesvorstandes. Sie bezeichnen es als undemokratisch, dass etliche Anträge von Parteimitgliedern von der Versammlungsleitung aus formalen Gründen abgeschmettert werden. Die Diskussion über die Tagesordnung dauert Stunden.

Vier neue Vorstandsmitglieder sollen her – am Ende werden es nur zwei. Peter Jadasch wird mit 28 von 47 abgegebenen Stimmen zum zweiten AfD-Landesvorsitzenden und Dr. Susanne Schmidt zur zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Zur Beisitzerwahl kommt es mangels Kandidaten nicht.

Interner Zoff lähmt Parteitag

Neu besetzt werden muss unter anderem der Posten des letzten verbliebenen AfD-Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Tassis, der im April mit einem anderen Vorstandsmitglied aus Protest gegen die Parteiführung den Rücktritt erklärt hatte. Gegen Tassis und drei weitere Mitglieder läuft derzeit ein Parteiausschlussverfahren.

Tassis fordert Neuwahlen, doch dazu kommt es nicht. „Der Führungsstil in diesem Landesverband ist diktatorisch und indiskutabel“, sagt Tassis. Ein Schiedsgericht muss noch über die Ausschlussverfahren entscheiden. AfD-Landeschef Frank Magnitz wirft Tassis und seinen Mitstreitern vor, die Partei ohne Not spalten zu wollen: „Das ist massiv parteischädigendes Verhalten.“ Ziel sei die Übernahme des Vorstandes gewesen, Kollateralschäden zum Nachteil der Partei würden dabei billigend in Kauf genommen.

Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Thomas Jürgewitz nennt den in Athen geborenen Tassis einen „Prügelgriechen“ und wirft ihm vor, ein anderes Vorstandsmitglied angegriffen zu haben. „So was kennen wir nur vom Balkan“, sagt Jürgewitz. Tassis weist die Vorwürfe zurück. Mit Blick auf die Sprachwahl warnt er die AfD davor, zu „einer rechtsextremistischen Kaderpartei“ zu werden.

200 Demonstranten protestieren gegen AfD

Damit es nicht zu Krawallen kommt, sichern etliche Polizisten das Gelände ab. Rund 200 Demonstranten haben sich auf den Weg zum Comforthotel gemacht. Mit großen Bannern versammeln sich die Demonstranten am Bahnhof. Aus Lautsprechern erklingt Rockmusik. „Wir wollen nicht, dass hier nochmal so etwas passiert wie 1933, deshalb lassen wir die AfD nicht zu“, sagt Veranstalter Stefan Krüger vom Verbund Jugend gegen Rassismus. Mit einer friedlichen Demo sei ein kleiner Schritt dorthin getan, die Partei aufzuhalten. Allerdings gibt Krüger zu bedenken: „Es gab auch damals schon gewaltfreie Proteste, und die waren erfolglos.“ Was er genau damit meint, lässt er offen. Die Demonstranten ziehen durch die Stadt und skandieren: „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda.“

AfD-Gegner ziehen zum Seestadtfest

Nach Polizeiangaben hat sich nach der Demonstration eine Gruppe von rund 35 Teilnehmern zum Veranstaltungsgelände des Seestadtfest begeben. Dort sollen sie auf dem Willi-Brand-Platz ihren Unmut gegen die Bundeswehr zum Ausdruck gebracht haben, die dort ihre Ausstellung präsentiert hatte.

15 Personen besetzen Panzer

Etwa 15 Personen dieser Gruppe besetzen einen dort ausgestellten Panzer und ein junger Mann kettet sich an das Fahrzeug. Am Ende der Aktion gestaltete sich der Abstieg aufgrund des Dauerregens als äußerst schwierig, da die Oberfläche des Panzers so sehr glatt geworden ist. Vorsorglich fordert die Polizei daher den Rettungsdienst an, um die Personen aus dem Panzer zu bergen. Auch der angekettete Demonstrant ist mithilfe eines Spezialgerätes durch die Feuerwehr aus seiner misslichen Lage befreit worden.

Denise von der Ahé

Denise von der Ahé

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Redakteurin/Korrespondentin im Bremer Büro der NORDSEE-ZEITUNG. Kam nach Stationen bei der Saarbrücker Zeitung und der Braunschweiger Zeitung immer weiter Richtung Norden. Sie berichtet aus Bremen über alles, was dort entschieden wird und für Bremerhaven spannend und wichtig ist.