Almer für sechs Monate auf Eis gelegt

,,Das war ganz großer Mist. Ich werde so etwas ganz sicher nie wieder machen“, sagt Frank Almer vom TV Langen spürbar getroffen. Der Fußballlehrer darf bis zum Saisonende nicht mehr als Trainer oder Betreuer am Spielfeldrand stehen. Eine harte Strafe – die er sich allerdings selbst zuzuschreiben hat.

Am 10. Oktober 2015 setzte Almer als Trainer der U19-Landesligamannschaft des TV Langen im Spiel gegen den FC Hambergen zwei Spieler ein, die zu diesem Zeitpunkt noch eine Sperrfrist abzusitzen hatten. Die beiden Junioren waren vor der Saison vom TSV Debstedt innerhalb der Wechselfrist zu Langens A-Junioren gewechselt, hatten aber nicht die Freigabe ihres alten Vereines bekommen.

Laut Statuten des Niedersächsichen Fußballverbandes (NFV) ist das möglich. Die Spieler dürfen dann innerhalb von drei Monaten in keinem Pflichtspiel eingesetzt werden. Doch genau das tat Almer. ,,Wir hatten Anfang Oktober extreme Personalnot. Es wäre schwierig geworden, eine Mannschaft in der Mindeststärke zusammen zu bekommen. Da habe ich mich verleiten lassen.“ Im Hinterkopf habe er dabei vor allem gehabt, dass seine Mannschaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden würde, wäre sie an zwei Spieltagen in Folge nicht angetreten. So sind die Regeln. Almer nahm die Regelverletzung in Kauf – und wurde erwischt.

Sportgericht: Strafe ist hart, aber der Vorfall war auch keine Kleinigkeit

Dass er nicht der Erste ist und wahrscheinlich auch nicht der Letzte sein wird, der diese Regeln missachtet, ist auch Rüdiger Wiegand bewusst. Unter seinem Vorsitz hat das Sportgericht des Fußballbezirks Lüneburg Almer mit einer sechsmonatigen Sperre belegt. Auch die Spieler wurden gesperrt. Erst nach dem 6. März dürfen sie wieder für den TV auflaufen. Zudem wurde Almer zu 200 Euro und die beiden Spieler zu je 100 Euro Geldstrafe verurteilt. Er wolle die Strafe nicht als Exempel verstanden wissen, so Wiegand, der aber auch sagt: ,,Das ist keine Kleinigkeit, daher musste das Strafmaß aus unserer Sicht so hoch ausfallen.“

Almer und der TV Langen haben das Strafmaß akzeptiert – zähneknirschend. ,,Dass wir alles sofort zugegeben haben, wurde leider nicht schuldmindernd berücksichtigt“, bedauert Klaus Kentsch. Der Vorsitzende des TV weiß aber auch: ,,Das darf nicht passieren. Das haben wir Frank auch in aller Ausdrücklichkeit gesagt.“ Beim TV Langen, so Kentsch, werde so ein Regelbruch hoffentlich nie wieder vorkommen.

Almers Groll richtet sich in erster Linie gegen sich selbst, da er seinem Verein, seinem Team und seiner eigenen Reputation sehr geschadet habe: ,,Da macht man viele Jahre vieles richtig und ist mit einem Mal ein Schwerverbrecher“, so der gesperrte Trainer.

Debstedt stellt sich bei Spielerwechsel quer

Eine Hauptrolle in dem Fall kommt aber auch Karl-Heinz Witgen zu. Der Vorsitzende des TSV Debstedt war es, der den Spielern im Sommer die Freigabe verweigerte, und der den NFV nach dem Hambergen-Spiel über den Vorfall informiert hat. ,,Wir können nicht verstehen, warum Witgen die Freigabe verweigert hat. Auch vom TV sind immer wieder Spieler nach Debstedt gewechselt. Denen haben wir nie Steine in den Weg gelegt“, sagt Kentsch.

Witgen hatte einen Grund: ,,Die Spieler hatten uns die Zusage gegeben, die Saison beim TSV zu spielen. Durch ihren kurzfristigen Wechsel im Sommer mussten wir unsere Mannschaft abmelden. Natürlich fanden wir das nicht gut“, erklärt er. Was ihn dabei richtig gewurmt habe: Weder die Spieler noch Almer hätten sich einmal persönlich bei ihm gemeldet. ,,Normalerweise verweigern wir keine Freigaben. Aber es sollte schon alles in korrekten Bahnen ablaufen.“ Für ihn sei der Fall aber nun erledigt.

Und Almer? Der will nun alles daran setzen, seinen Fehler wieder gutzumachen: ,,Ich bin Sportsmann. Aufgeben gibt es nicht bei mir.“ Bis zum Sommer muss er sich allerdings noch gedulden…

Sperre oder nicht? So sind die Regeln

Winter: Meldet sich ein Junioren-Spieler nach dem 30. Juni und bis zum 31. Dezember (Antragseingang bis 31. Januar) bei seinem Verein ab, so darf er ohne Wartefrist für seinen neuen Verein auflaufen, sobald der abgebende Verein dem Wechsel zustimmt, frühstens jedoch ab 1. Januar. Verweigert der abgebende Verein die Freigabe, wird der Spieler für sechs Monate gesperrt. Verpasst der Spieler die Abmeldefrist oder der neue Verein die Antragsfrist, erfolgt auch mit Zustimmung des Ex-Vereins eine Sperre von drei Monaten. Ohne Zustimmung beträgt die Sperrfrist sechs Monate.

Sommer: Meldet sich ein Junioren-Spieler zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni bei seinem Verein ab (Antragseingang bis 31. August), darf er ab frühestens 1. Juli für seinen neuen Verein spielen, sofern der abgebende Verein zustimmt. Fehlt diese Zustimmung, ist der Spieler für drei Monate gesperrt. Wird die Abmeldefrist verpasst, darf der Spieler generell erst zum Jahreswechsel wechseln. Erreicht der Antrag zu spät den Verband, beträgt die Wartefrist bei Zustimmung des Ex-Vereins drei Monate (bis einschließlich 31. Oktober), ohne Zustimmung beträgt die Sperrfrist sechs Monate (Wechsel erst zum 1. Januar).