Sechstagerennen in Bremen: Radprofis beantworten eure Fragen

Von Sabrina Knoll

Sechs Tage, sechs Fragen, sechs Antworten: Wir haben die nord24-Gemeinde gefragt, was sie von den Akteuren des Bremer Sechstagerennens wissen möchte – und eine Auswahl der Fragen weitergegeben. Das sind die Antworten.

Das Hobby zum Beruf gemacht

  • Wie motiviert man sich, täglich aufs Rad zu steigen (und gegebenenfalls dauerhaft nur „Wasserträger“ zu bleiben)?
    Christian Grasmann (36 Jahre alt, 73 Sixdays, 2 Siege): Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, das ist doch eh schon ein großes Glück. Für mich ist das Radfahren Leidenschaft und keine Qual. Ich steige super-gerne aufs Rad. Und da motiviert dann jeder Erfolg. Egal, ob das neues Material ist, das man bekommt, ein neuer Sponsor, den man findet, oder ein Artikel in der Zeitung, der einen lobend erwähnt, weil man stark gefahren ist.

Stau unter der VIP-Empore

  • Was ist eure größte Angst?
    Nico Heßlich (27, zum sechsten Mal in Bremen am Start): Hier in Bremen? Dass in der Kurve unter der VIP-Empore Stau ist. Ich habe es einmal erlebt, dass es da gleich zu drei Stürzen kam. Auf der engen Bahn hier ist einfach nicht viel Platz. Und in diese Kurve geht man quasi blind rein. Ich glaube, die Bremer Bahn ist sogar die einzige auf der Welt, auf der man nicht die komplette Strecke überblicken kann.

Nicht nur wegen der Party in der Halle

  • Wie geht ihr damit um, dass viele Besucher nur wegen des Alkoholkonsums zum Sechstagerennen gehen und der Sport und somit die Leistung der Sportler sich zur absoluten Nebensache entwickeln?
    Wim Stroetinga (32, Niederlande, zum fünften Mal in Bremen): Klar habe ich die Geschichten gehört, dass in Bremen nur gefeiert wird und die Rennen niemanden interessieren. Aber ich habe das hier nie so erlebt. Ich habe das Gefühl, dass die Leute schon auch wegen uns herkommen. Ich mag das Publikum hier.

Fans in der Halle als Motivation

  • Bekommt ihr, während ihr auf dem Rad sitzt, viel von dem Trubel mit?  
    Jesper Morkov (29, Dänemark): Natürlich! Das ist ja das Tolle an Sechstagerennen und auch am Bahnradfahren an sich, dass man immer unmittelbar die Reaktion des Publikums mitbekommt – und zwar die ganze Zeit über. Bei Straßenrennen rauscht man nur an den Zuschauern vorbei. In den paar Sekunden bekommt man kaum etwas mit. Aber in einer Halle wie hier in Bremen können dich die Leute total pushen.

Schon immer im Uhrzeigersinn

  • Warum fahrt ihr gegen den Uhrzeigersinn? 
    Erik Weißpfennig (52, Sportlicher Leiter der Sixdays und Weltmeister 2000 im Zweier-Mannschaftsfahren): Das weiß keiner (lacht). Nein, ernsthaft. Es wird immer gesagt, dass es damit zu tun hat, dass das Herz links ist. Tatsächlich steht es aber nicht mal im Reglement, dass man linksrum fahren muss. Das ist eines dieser unausgesprochenen Dinge, die man einfach immer schon so gemacht hat. Und wohl auch immer so machen wird.

Olympia-Bronze als schönstes Erlebnis

  • Was war euer schönstes sportliches Erlebnis?
    René Enders (30, beendet in Bremen seine Sprinter-Karriere): Die Bronzemedaille 2008 in Peking (gewann auch Bronze in London 2012; d. Red.). Ich bin damals quasi zufällig ins Team gerutscht, war zuvor nur eine WM gefahren – und plötzlich ging es mit 21 Jahren zu Olympia. Dann hatten wir im Teamsprint nur neun Tausendstelsekunden Vorsprung auf Australien und Rang vier. Außerdem war das eine tolle Truppe mit Maximilian Levy und Stefan Nimke – da hat alles gepasst.