Anschlag in Nizza: Was wir wissen und was nicht

Mindestens 84 Menschen sind in Nizza in Südfrankreich getötet worden, als ein Mann am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Unter den Toten sind mehrere Ausländer. Viele Fragen sind offen. Ein Überblick:

Was wir wissen

  • Gegen 23 Uhr am Donnerstagabend rast ein Mann mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge auf der Flaniermeile Promenade des Anglais. Er kommt etwa zwei Kilometer weit. Die Straße war für Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag gesperrt.
  • Am Steuer des Lastwagens sitzt ein 31 Jahre alter Franzose tunesischer Herkunft, gemeldet in Nizza. Er ist verheiratet und Familienvater.
  • Er ist als Lieferant tätig, so der Staatsanwalt.
  • Polizeilich bekannt war der Tunesier durch häusliche Gewalt und Diebstähle. Erst in diesem Jahr ist er zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden, weil er einen Einbruch mit Gewalt verübt hat.
  • Eine Einstufung als Terrorist oder im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung hat es bis zum Anschlag in Nizza nicht gegeben, so der Staatsanwalt in einer Pressekonferenz.
  • Die Polizei tötet den Fahrer. Auf Bildern sind Einschusslöcher in der Windschutzscheibe zu sehen, auf Videoaufnahmen Schüsse zu hören.
  • Mindestens 84 Menschen werden getötet, darunter zehn Kinder. Nach Angaben der französischer Gesundheitsbehörden schweben noch 52 in aktuter Lebensgefahr.
  • Unter den Toten sind auch mindestens drei Berliner, eine Lehrerin und zwei Schülerinnen.
  • Den Lastwagen hat der Mann vor zwei Tagen gemietet. Auf der Ladefläche waren Paletten und ein Fahrrad.
  • In der Fahrerkabine fanden die Ermittler eine Granate, ein automatisches Gewehr, Munition und Gewehr-Attrappen.
  • Es gibt keine Geiselnahme. Entsprechenden Medienberichten widerspricht das französische Innenministerium.
  • Frankreichs Präsident François Hollande will den Ausnahmezustand in Frankreich, der am 26. Juli hätte enden sollen, um drei Monate verlängern. Kabinett und Parlament sollen kommende Woche darüber beraten. Um nach dem Anschlag von Nizza die Polizei zu entlasten, setzt Frankreich auf Reservisten der Gendarmerie.
  • Hollande ordnet eine dreitägige Staatstrauer an.
  • Hollande spricht vom „terroristischen Charakter“ der Tat, Innenminister Bernard Cazeneuve nennt den Fahrer des Lastwagens einen Terroristen.

Was wir nicht wissen:

  • Bisher ist nichts über den Hintergrund der Tat bekannt. Präsident Hollande sagte, das ganze Land sei vom islamistischen Terror bedroht. Ob der Täter einen islamistischen Hintergrund hat, ist aber unklar. Offen ist auch, ob es sich um einen Einzeltäter handelt. Im Lastwagen war der Mann alleine, über Hintermänner war zunächst nichts bekannt. Hollande sagte, es gebe bisher keine Hinweise auf Komplizen.
  • Unklar ist desweiteren, wie der Lastwagen ungehindert in die Fußgängerzone fahren konnte. Frankreich befindet sich seit den Pariser Terror-Anschlägen vom 13. November im Ausnahmezustand. Die Straße in der Nähe der Promenade des Anglais war nicht für den Verkehr gesperrt.
  • Auf der Strandpromenade befanden sich zum Zeitpunkt des Feuerwerks rund 30 000 Menschen. Offensichtlich gab es während der Feierlichkeiten keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Lili Maffiotte

Lili Maffiotte

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Lili Maffiotte, Spanierin mit kompliziertem Namen, aber ohne Spanischkenntnisse, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland. Seit 23 Jahren bei der NORDSEE-ZEITUNG - als gelernte Fotografin von der Bildredaktion über ein Volontariat in die Lokalredaktion mit Zwischenstationen in der Sportredaktion. Seit Oktober 2015 in der Online-Redaktion für die Social-Media-Kanäle zuständig.