Der Tag nach dem Terror in Brüssel: Was wissen wir, was nicht

Der Tag nach der Terrorserie mit mindestens 31 Toten von Brüssel: Belgien gedenkt der Opfer, Europa trauert mit. Die Ermittlungen kommen voran. Aber viele Fragen sind noch offen.

Wie liefen die Anschläge am Flughafen ab?

Die Terrorserie beginnt um 07.58 Uhr mit zwei Explosionen auf dem Flughafen, kurz hintereinander. Zwei Männer sprengen sich in die Luft. Einer von ihnen wird anhand der Aufnahmen einer Überwachungs-Kamera als Ibrahim El Bakraoui (29) identifiziert, ein Belgier. Der Polizei ist er durch verschiedene Straftaten bekannt, aber nicht als Islamist. Vom zweiten Selbstmord-Attentäter in der Abflughalle kennt man die Identität noch nicht. Ein dritter Mann – auf dem Foto der Überwachungskamera ganz links, mit dem größten Sprengsatz auf seinem Gepäckwagen – sprengt sich nicht in die Luft. Warum, weiß man nicht. Er überlebt, kann fliehen. Neu auch: Das Trio kam mit dem Taxi zum Flughafen. Beim Gepäck wollten sich die drei keinesfalls helfen lassen.

Was Neues über den Anschlag in der U-Bahn?

Der Selbstmord-Anschlag in der Metro-Station Maelbeek geht auf das Konto von Khalid El Bakraoui, dem jüngeren Bruder des identifizierten Flughafen-Attentäters. Wegen verschiedener Vorstrafen waren seine Fingerabdrücke bei der Polizei gespeichert. Der 27-Jährige – ebenfalls Belgier – zündet die Bombe Punkt 09.11 Uhr im mittleren von drei Wagen. Wie der jüngere El Bakraoui dorthin kam und ob er dort Mittäter hatte, weiß man nicht. Am Flughafen kann er eigentlich nicht gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft gibt aus ermittlungstaktischen Gründen keine weitere Auskunft.

Wie viele Todesopfer gibt es?

Die Zahlen gehen noch durcheinander. Am Tag danach sind noch längst nicht alle Opfer identifiziert. Die belgischen Behörden sprechen jetzt von mindestens 31 Toten – drei weniger als am Tag zuvor – und fast 260 Verletzten. Unter den Verletzten sind auch mehrere Deutsche, darunter ein schwer verletzter Mann. Das Auswärtige Amt schließt nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden. Nach belgischen Angaben kommen die Opfer aus etwa 40 Nationen. Befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Vermutlich wird es noch Tage dauern, bis Gewissheit besteht.

Gibt es einen Zusammenhang zum Terror in Paris?

Vieles deutet darauf hin: der Ablauf, der Sprengstoff, die Tatorte. Und auch einiges davon, was man über die Täter weiß. Einer der beiden Brüder – Khalid – soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde. An der Adresse im Stadtteil Schaerbeek, wo der Taxifahrer das Flughafen-Trio abgeholt hatte, wurden 15 Kilogramm hochexplosives Azetonperoxid (TATP), ein Koffer mit Nägeln und Schrauben, sowie weiteres Material für den Bombenbau gefunden. Von Ibrahim El Bakraoui wurde auch ein Testament entdeckt. Darin soll es heißen: „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll.“

Wer wird noch gesucht?

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fandet man noch nach einer ganzen „Reihe von Personen“. Zahlen und Namen nannte Staatsanwaltschaft Frédéric Van Leeuw keine. Der Verdacht richtet sich aber insbesondere gegen ein Mann namens Najim Laachraoui (24), der bereits seit dem Wochenende offiziell gesucht wird. Er soll – zusammen mit Salah Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde – einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein. Am Vormittag meldeten belgische Medien bereits seine Festnahme. Das stimmte aber nicht.

Hat sich die Lage in Belgien beruhigt?

Weiterhin gilt Terrorstufe 4 – die höchstmögliche. Das öffentliche Leben funktioniert mittlerweile halbwegs wieder. Aber das ganze Land trauert. Um 12 Uhr gab es eine Schweigeminute. Bis Karfreitag ist noch offiziell Staatstrauer. Die Flaggen wehen auf halbmast. Die Metro-Station Maelbeek wird vermutlich noch mehrere Wochen geschlossen bleiben. Der Flughafen Brüssel bleibt auf jeden Fall auch am Donnerstag noch geschlossen.

 

Lili Maffiotte

Lili Maffiotte

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Lili Maffiotte, Spanierin mit kompliziertem Namen, aber ohne Spanischkenntnisse, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland. Seit 23 Jahren bei der NORDSEE-ZEITUNG - als gelernte Fotografin von der Bildredaktion über ein Volontariat in die Lokalredaktion mit Zwischenstationen in der Sportredaktion. Seit Oktober 2015 in der Online-Redaktion für die Social-Media-Kanäle zuständig.